Bayerische Feldpost 1914 - 1918

  • Hallo,


    der nachfolgende Beleg ist mir vor ein paar Tagen untergekommen:


    Feldpostkarte eines Vizefeldwebel-Zahlmeisters (heute würde man wohl "Rechnungsführer" sagen) - Ansichtskarte Fürth, geschrieben in Burgfarrnbach am 22.5.1917 und gelaufen nach Pfaffenhausen b. Mindelheim.


    Rechts oben ist der Briefstempel abgeschlagen: "Bay. Flieger-Bau-Komp. No.2, Kassen-Kommission"
    Die genannte Einheit dürfte zur Königlich Bayerische Militär-Fliegerschule III (Fürth-Unterfarrnbach) gehört haben. Möglicherweise hat die "Bau-Komp." weniger mit der Produktion von Flugzeugen zu tun als dass es viel mehr eine Pionier-Einheit war, welche die Infrastruktur (Landebahn, etc.) schaffte und erhielt. Vielleicht weiß ja ein Leser noch mehr zu diesem Thema.
    Allgemeine militärgeschichtliche Hintergründe zur Bayerischen Luftwaffe gibt's hier: http://de.wikipedia.org/wiki/1…erisches_Fliegerbataillon


    beste Grüße
    Postgeschichte-Kemser

  • Servus Schorsch,


    solltest du tiefer in das Thema Organisation der bayerischen Fliegertruppe einsteigen wollen, empfehle ich das Buch von Harald Potempa, Die Königlich-Bayerische Fliegertruppe 1914-1918 (Europäische Hochschulschriften III/727), Frankfurt a. M. 1997. (Der Autor ist ein langjähriger Freund von mir.) Im ganzen Buch verstreut findet sich eine Fülle von Informationen, mit denen man Feldpostbriefen oder -zuleitungen zu Leibe rücken kann.


    Die Baukompanie war genau das, was ihr Name besagt: Eine mit Schaufeln, Spaten und Pickeln (dem Werkzeug, nicht der Hautveränderung) ausgestattete, 300 Mann starke Truppe, die im Dezember 1916 als erste dieser Art in Farrnbach stationiert wurde. Ab Februar 1917 wurde sie vollzählig beim Bau des Flughafens Fürth eingesetzt.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Hallo Dietmar,


    vielen Dank für den Tipp und Deine ergänzenden Informationen. Dennoch lasse ich mich nicht dazu verführen noch eine Sammel-Baustelle aufzumachen. :P
    Mein Beitrag war eher als Anstoss an die Leserschaft gedacht, auch mal andere Aspekte des Sammelgebietes "Bayern" zu präsentieren. Und da bietet ja die Feldpost der bayerischen Truppen im Ersten Weltkrieg eine enorme Fülle, wenn ich nur mal an so Bereiche denke wie Alpenkorps, Palästina usw. :rolleyes:
    Schauen wir mal, was noch alles kommt.


    Beste Grüße
    Postgeschichte-Kemser

  • Hallo Emmanuel,


    toller Beleg ! Ja - alleine die postgeschichtliche Aufarbeitung der 6. Armee in den Jahren 14/18 mit den ganzen Besonderheiten in Nordfrankreich wäre ein Kapitel für sich. :rolleyes:


    Beste Grüße
    Postgeschichte-Kemser

  • alleine die postgeschichtliche Aufarbeitung der 6. Armee in den Jahren 14/18 mit den ganzen Besonderheiten in Nordfrankreich wäre ein Kapitel für sich. :rolleyes:


    Klar!
    Und für alle diejenigen, die sich von Nähe oder von weitem für dieses Thema interessieren könnten, ich empfehle das ausgezeichnete Buch von Burkhard Koop " Die Bayerische Armee-Post-Direktion 6 während des Ersten Weltkrieges "


    Ein letzter kleiner doppelt verwendet Brief, um nicht diesen thread so schnell zu beenden. Ein in Antwerpen gefundener Brief im letzten Sommer bei einem Bouquinist.

    Dieser Umschlag ist vom Postsammelstelle Bromberg zum bay. Feldpoststation n ° 407 (In Valenciennes) über den Leitpunkt Köln gesandt gewesen. Sie ist dann von diese Feldpoststation für ein Post zu preuss. Feldpoststation n ° 5 in Kortrijk ( Belgien) wiederbenutzt gewesen.
    Viele Grüsse.
    Emmanuel.

  • Hallo Pälzer,


    interessante Pfalzkarte, Glückwunsch! :)


    In Grünstadt am 16.11. um 3-4 Uhr Nachmittags unfrankiert aufgegeben, wurde sie mit 10 Pfg., der doppelten Frankotaxe, belegt. Bei der Ankunft am selben Tag in Neustadt wollte der Empfänger sie nicht haben und verweigerte die Zahlung des Portos = Verweigerung der Annahme. Oben lese ich: "Annahm verweigert ..." und dann etwas mit Feldpost. Offenbar lief er dann mit der Feldpost weiter und wenn es so war, war die Gebühr zu streichen, wofür auch die beiden Portokontrollstempel stehen.


    Porto entlastet bedeutete, dass Neustadt nichts kassieren konnte und sich durch Weiterleitung/Rücksendung von den 10 Pfg. befreite.


    Tolles Stück, das jeder gerne hätte. :P


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

  • Hallo Pälzer,


    der Truppenstempel fehlte, daher nicht als Feldpost
    anerkannt. Folgerichtig portopflichtig. Annahme ver-
    weigert und zurück an den Absender, der die 10 Pfg.
    Nachgebühr bezahlen mußte.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Hallo VorphilaBayern,


    ebenfalls besten Dank für die Info. Was mich doch noch "umtreibt" ist die Frage mit der Kennzeichnungsweise der Feldpost, die nicht von der mobilen Truppe im Felde, sondern von Soldaten in der Heimat direkt über die Zivilpost als Feldpost aufgegeben worden sind. Mit der o.a. Poka haben wir einen solchen Fall, der ja offenbar nicht selten vorgekommen ist.


    Der Soldat Fritz war evtl. gerade auf Urlaub o.ä. daheim in Grünstadt, als er die von ihm als Feldpost gekennzeichnete Postkarte direkt in den Zivilpostverkehr gebracht hat. Seinen Truppenstempel hatte man in Grünstadt natürlich nicht zur Hand, es sei denn Fritz hätte sich einen blanco auf die Poka geben lassen. Dies ist vorliegend nun nicht der Fall.


    War damit nun (wirklich) jegliche Möglichkeit einer Portobefreiung als entsprechend klassifizierter Armeeangehöriger (unterhalb Offiziersrang) "dahin", oder gab es doch noch eine vorschriftsgemäße "Legal-Alternative" ohne Truppenstempel, bspw. durch Angabe des Dienstgrades und des Truppenteils durch handschriftlichen Zusatz o.ä. ? Ich habe leider noch keine Primärliteratur dazu vorliegen.



    + Gruß



    vom Pälzer

  • Hallo zusammen, hier eine nicht ganz uninteressante Quelle zu den bayerischen Feldpoststempeln


    Bayer. Kriegsministerium 14. 10. 1881
    Nr. 5422 Feldpostdienstordnung, hier die Briefstempel


    Zum Vollzuge des § 24, 4 der Feldpost Dienstordnung wird bestimmt, dass im Falle einer Mobilmachung von dem in der Beilage verzeichneten Formationen Soldaten Briefstempel zu führen sind.
    Stempel rechteckig 1, 2 cm hoch nicht über 4, 5 cm lang, Buchstabe S. B. (Soldatenbrief) zweite Zeile Bezeichnung der Formationen.
    also S. B.
    Gen. Kdo I bay. A.C.
    I für die Sanitäts Detachements 1 Stück
    II. Feldlazarett 2 Stück
    III. Lazarett Reservedepots 1 Stück und dieser Bedarf bereit im Frieden bereit zuhalten
    Liste aller Formationen liegt bei.


    BayHStAMinn 67141
    Portofreiheit der Feldpost

  • Guten Morgen in die Runde,

    eben ist mir ein Feldpostbrief in die Hände gekommen, der es im wahrsten Sinne des Wortes "in sich" hat.
    Erst ein mal die "nackten" Daten:
    Feldpostbrief eines Angehörigen des Ers.Btl. des 16. Inf.Rgt. (das war übrigens das Regiment von diesem österreichischen Maler) aus Passau am 28. Januar 1915 nach Wien - rs. Verschlusszettel der zuständigen Zensurstelle "Auslandstelle 1 des Bahnpostamtes München". So weit - so gut....

    ....wäre da nicht die für einen bayerischen Feldpostbrief von Passau nach Wien doch recht ungewöhnliche Illustration - sowohl auf dem Umschlag als auch auf dem Briefbogen - des Byodo-in Tempels in Kyoto, Japan.

    Den "Schlüssel" hierfür findet sich im Briefinhalt:

    "P.S.:Dieses Briefpapier kommt aus dem Nachlass eines gefallenen indischen Offiziers. Ich erhielt es von einem aus Flandern zurückgekehrten verwundeten Kameraden!"

    Tja - so verschlungen sind manchmal die Wege....

    Beste Grüße
    Schorsch Kemser

  • Hallo Schorsch,


    großes Kino für kleines Geld (will ich hoffen). Wer kann sonst noch so etwas zeigen auf der Welt? Keiner? Ja, das denke ich auch. :love::love:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)