• Hallo bk,
    .

    vielleicht war die Verwendung der im Mai 66 gelaufenen und im September wieder "aktivierten" Briefhülle eine Art Altpapierverwertung. Vielleicht hat man die später daraus gemachten "Gütebriefe" jemanden amtsbekannt Vertrauenswürdigen mitgegeben, der in dem einen Ort wohnte und im anderen arbeitete. Und vielleicht war das dann auf dem lediglich 2,2 km langen Beförderungsweg (einfach) im Vergleich zum regulären Postdienst irgendwie schneller. Aber das ist alles schon sehr daherkonstruiert, denn staatliche Stellen werden sicherlich als allerletztes darauf angewiesen gewesen sein, etwas "durch Güte" außerhalb des Postdienstes befördern lassen müssen. Da hast natürlich vollkommen Recht.


    Viele Grüße
    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    das sind interessante Überlegungen, aber prinzipiell hatte jede Behörde ihr Postbuch, in dem sie ihre Schreiben nummeriert eintragen musste, und die Post hatte dieses auf ihre Richtigkeit zu kontrollieren.


    Die Verwendung eines Privaten, der so gütlich war, den Brief zu befördern, spräche diesem Usus Hohn, weil es ja dann keinen Eintrag im Postbuch zu bestätigen gab. Aber der Brief ist sicher echt und von daher müsste ein fortgeschrittener Heimatsammler hier am Start sein, um sein Wissen zu dokumentieren (und gfs. uns weitere, ähnliche Briefe von dort zu zeigen). Das wird aber schwer.


    Tipp von mir: Vlt. der ARGE Baden zuleiten und dort fragen, ob es einen gibt, der die Rätsel knacken kann.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,
    .

    und hmmm...diese nun über ca. 45 km gelaufene Regierungssache gepaart mit dem DG-Vermerk und der Expeditionsnummer spricht dann ja nun erst Recht dem Usus des Eintrags im Postmanual Hohn. Jetzt kann man sagen, dass das gerade bei Regierungssachen nichts ausgemacht hat, weil die Post seinerzeit eh nichts daran verdient hat.

    .

    Aber dieses "Durch Güte" steht wie mikrokern hier schon in post7 angedeutet hat, egal wie dem allgemein Postzwang entgegen und gerade staatliche Stellen hätten sich in ihrer Vorbildfunktion ganz besonders daran halten müssen. Da besteht wohl noch einiges an Forschungsbedarf zu dem Thema.

    .

    In diesem Sinne gebe ich dann wie empfohlen den o.a. Badenbeleg nun an die einschlägige ARGE zur Prüfung ab, hoffe auf ein baldmögliches Ergebnis und werde berichten.


    Viele Grüße
    vom Pälzer

  • Lieber Hermann,


    ein seltenes Stück, das man so befördern durfte, weil es nicht mit Siegel verschlossen war. Verboten war nur der Transport von Briefen durch Private, die verschlossen wurden.


    Aber allerhand, so etwas zu sehen - 3x Stempelpapier von einer Zeitung nach Nürnberg geschleppt.


    Wenn du den mal nicht mehr brauchst ... ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Sammlerfreunde,


    hier wieder einmal ein Beleg mit der bemerkenswerten Beförderungsweise "Durch Güte". Von wann und woher er kam, lässt sich auch vom Inhalt her nicht ableiten, an dem offenbar zwei Verfasser beteiligt waren. Die mit Thante Nägele unterzeichnete Kurzmitteilung deutet allerdings auf einen nicht allzu weit entfernt liegenden Aufgabeort hin.


    Viele Grüße

    vom Pälzer

  • ... hm, von den Namen her könnte das aus der Südpfalz stammen - Burghardt, Vögele, solche Namen kenne ich von dort, aber beweisen kann ich es natürlich nicht. 8|

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    heute zeige ich einen mit Siegel verschlossenen Brief aus Rechtenbach (nicht das heutige Schweigen - Rechtenbach, sondern das fränkische im Spessart nach Hain im Spessart, beide etwa 16 km voneinander getrennt. Das Datum war der 30. May 1836 und geschrieben hatte den Brief Joseph, der Bruder der Adressatin. Aber es war nicht nur der Brief selbst, sondern er hatte sogar noch eine Einlage, wie der Text Josephs beweist:


    "Liebe Schwester!

    Meinem Versprechen gemäß übersende ich dir den jüngsten

    von Schmalwasser erhaltenen Brief; nach gemachtem Gebrauche

    lasse mir denselben gelegentlich wieder zukommen.

    Empfehle mich Deinem lieben Mann bestens, und

    lebe recht wohl, dies wünscht Dein aufrichtiger Bruder Joseph

    Rechtenbach den 30ten May 1836 - In Eile -


    Die Adresse lautet: "Wohlgeboren dem königlichen Revierförster Herrn Drescher zu Hain D(urch) G(üte).


    Rechtenbach bekam erst 1881 eine eigene Postexpedition, Hain erst 1841, wobei diese mangels Masse wieder 1854 aufgelöst wurde, ehe endlich im Jahr 1900 eine Posthilfsstelle dort eingerichtet wurde, ergo waren beide Orte nicht direkt von Poststellen versorgt.


    Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass der verschickte Brief mit einem Siegel verschlossen worden war und der Inhalt, ein weiterer Brief von einem Herrn Schmalwasser, vermutlich auch - ergo gehe ich von 2 Straftaten in einem Brief aus und das kannte ich bisher noch nicht.

  • Lieber Ralph,


    "Straftaten" - ein hartes Wort angesichts der Tatsache, dass es in beiden Ort gar keine Post gab und womöglich nur ein Bekannter, Freund oder gar Verwandter den Brief mitnahm. Siegel hin oder her!

    Dass die Post es mit ihrem Beförderungsmonopol selbst 150 Jahre später noch sehr ernst nahm, zeigt freilich die angehängte Geschichte.


    Liebe Grüße von maunzerle

    Bilder

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

  • Lieber Peter,


    1. schöne Schilderung der bitteren Realität in Straubing - aber das sind die Geschichten, die einen ein Leben lang verfolgen, auch wenn man heute darüber eher lachen kann, als damals.


    2. Meine Formulierung ist schon juristisch zutreffend, denn diese Orte waren ja Teil der Lokalbezirke von Poststellen, bei denen eben alle gesiegelten Briefe aufzugeben waren.


    3. Außerdem hatte er ja wohl noch (ich unterstelle mal einen gesiegelten) weiteren Brief eingetütet, so dass der bayer. Post 2 Gebühreneinheiten verloren gingen. Im Rahmen der Aufdeckung, auch wenn es nur je 3x Briefe gewesen wären, war strafprozessual einzuschreiten und wie diese Sache dann ausgegangen wäre, ist klar.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgende Briefhülle, frankiert mit 3 Kreuzer von Marbach nach Großaspach vom 28. März 1857. Links unten Vermerk: "frei / Durch Güte". Der Brief ging mit der Post bis Backnang und wurde von dort nicht mit dem Landbriefträger, sondern mit jemand anderen nach Großaspach befördert. Der Brief ging an Frau Ottilie Schaller. Sie war die Frau von Ludwig Schaller, siehe folgenden Link:


    https://books.google.de/books?…20gro%C3%9Faspach&f=false


    ab Seite 65: Nr. 21. Ein Schwurgerichtsfall und ab Seite 250: Nr. 66. Ludwig Schaller, der Bauernturnwart von Großaspach.


    Vor dem Schwurgericht Ludwigsburg wurde Ludwig Schaller am 24. März 1852 zu 9 Monaten Haft auf der Festung verurteilt. Grund: "Verbreitung der Druckschrift "Das Wahre über Staat und Kirche, dem deutschen Volke gewidmet von einem deutschen Staatsoffizier."

    Ludwig Schaller zog 1860 mit seinem Papiergeschäft nach Stuttgart und integrierte den Handel mit Landschaftsfotographien und fototechnischen Zubehör. Nach seinen Tod 1871 führte seine Frau Ottilie mit den Söhnen Emil und Max das Geschäft weiter. Das Geschäft ging 1999 in Konkurs.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    durch Güte auf Frankobrief aus Württemberg habe ich noch nie gesehen - klasse und vor allem mit dem Hintergrund, der dem Heutigen leider nicht sehr entfernt zu sein scheint.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Ludwig Schaller zog 1860 mit seinem Papiergeschäft nach Stuttgart und integrierte den Handel mit Landschaftsfotographien und fototechnischen Zubehör.

    Beste Grüße von VorphilaBayern

    Hallo VorphilaBayern,


    entschuldige, aber gemäß dem Pater Brown-Spruch "Er kann's nicht lassen", musste ich doch selbst diesem interessanten Ludwig Schaller nachspüren.


    Soweit ich es recherchieren konnte, war Ludwig Schaller auch ein früher Photograph und darüber hinaus auch Ansichtskarten-Hersteller oder evtl. seine Tochter, so genau kannn ich das nicht unterscheiden - siehe hier: http://www.galerie20.smb.museum/kunsthandel/K60.html




    Das wäre natürlich eine ganz schöne "Sophie"-Geschichte mit Verweis auf die frühe Photographie- und Ansichtskarten-Geschichte. Hier noch zwei Links dazu:


    Ansichtskarte von L. Schaller Stuttgart

    https://colnect.com/de/postcar…t-Deutschland_Kaiserreich


    https://oldthing.de/Kind-mit-R…ler-1898-17815-0038557554




    Beste Grüße von Luitpold

    "Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde." (Karl Jaspers. dt. Philosoph).

    Einmal editiert, zuletzt von Luitpold ()