Sachsen - Venetien über Bayern

  • Der nachfolgend gezeigte Brief ist noch im Oktober 1851 auf Verlangen des Absenders über Augsburg nach Verona spediert worden. Zu diesem Zeitpunkt bestand bereits die Bahnverbindung Leipzig - Dresden - Bodenbach - Prag - Wien. Die Beförderungsdauer von 6 Tagen spricht auch nicht gerade für die Wahl der Verbindung über Bayern.


    Kennt jemand plausible Gründe dafür?


    Altsax

  • Lieber Altsax,


    ich meine mich zu erinnern, dass Bayern, Sachsen und Österreich noch 1844 (?) vereinbarten, die sächsischen Briefe über Augsburg nach Oberitalien zu leiten (weite Transitstrecken waren Bayern in Bezug auf Österreich ja schon zuvor weggebrochen). Wann dieser Schulterschluß gekündigt wurde, kann ich aus der Hüfte nicht sagen, aber der Einfluß der Eisenbahnen dürfte dazu beigetragen haben, diesen Umweg zu korrigieren. Üblich sollte dieser Laufweg 1851 aber nicht gewesen sein.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bk,


    die Möglichkeit, Korrespondenz von Sachsen nach Tyrol und in die italienischen Staaten im geschlossenen Transit über Augsburg transportieren zu lassen, bestand vom 1.9.1844 an. Gegenüber der Leitung über Prag, Linz und Salzburg sollte sich daraus ein Zeitvorteil von 1 bis 2 Tagen ergeben. Vom Absender war der Leitweg "via Prag" bzw. "via Augsburg" anzugeben.


    Selbstverständlich ist es denkbar, daß der Absender "via Augsburg" aus alter Gewohnheit schrieb, ohne daß sich daraus noch der frühere Zeitvorteil ergeben hätte. Ehe ich an ein Versehen glaube, suche ich aber immer nach rationalen Gründen.


    Liebe Grüße


    Altsax

  • Hallo zusammen,


    dieser Thread ruht jetzt seit fast 5 Jahren, höchste Zeit für eine Wiederbelebung...


    Ich habe hier einen mit dem gleichen Laufweg wie der von Altsax in #1 vorgestellte Brief.


    Am 30.12.1851 in Leipzig mit dem Vermerk "Via Augsburg" losgeschickt, ging es mit der Bahnpost Leipzig-Hof nach Bayern. Dann weiter über Nürnberg nach Augsburg und von dort weiter über Lindau nach Bregenz. Wurde Bregenz wegen den winterlichen Verhältnissen ausgewählt? Hätte eher auf Innsbruck gewettet.


    Der Empfänger zahlte 12xCM. Dies waren 15xrh., also nach meiner Interpretation über die Schweiz: 9x PV, 3x Schweiz, 3x Portozuschlag, also 15x oder 12xCM. Gab es so früh schon die schweizer Transittaxe von 3x?


    Dann müsste der Brief über Chur und Mailand Richtung Venetien gelaufen sein. Andere Meinungen?


    Viele Grüsse
    Christian

  • Hallo Christian,


    das ist ein Anachronismus - Brief, den du da zeigst. Früher, also vor dem Postverein, konnte/sollte man von Sachsen aus über Bayern (Augsburg) verschicken, aber hier war das Historie. Aber was man jahrelang machte, setzte sich auch irgendwo zwischen den Ohren fest.


    Dein Brief hätte laufen können, wie er wollte - es wären immer 12x Porto dabei heraus gekommen. Er konnte gut über die Schweiz im geschlossenen Transit gelaufen sein - dazu gab es eine Absprache 1851 zwischen Österreich und der Schweiz: Österreich musste den Postkurs (finanziell) unterhalten, die Schweiz ließ den Transit geschlossener Briefepakete kostenlos zu. Win - Win sagt man heute ...


    Er konnte aber auch über Füssen laufen, wie ich es eher erwartet hätte.


    Einen offenen Transit über die Schweiz, wie von dir vermutet, gab es zu dieser Zeit nicht. Eine Umrechnung von rheinischen zu Conventionskreuzern ist auch nicht von Belang, weil Sachsen immer in der Währung der Abgabepost zu taxieren hatte: 9x CM oder rheinisch (hier CM) über 20 Meilen und 3x CM Portozuschlag.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    danke für deine Berichtigungen.


    Das mit der schweizer Duldung für österrreichische Post ist ja interessant.... 8o


    Dann hätte er ja von Bregenz 2 Wege laufen können:
    1. Chur, Splügen, Mailand, Verona. Splügen im Januar, vorstellbar?
    2. Arlberg, Innsbruck, Brenner, kann ich mir eher vorstellen.


    Viele Grüsse
    Christian

  • Hallo zusammen,


    kann mir jemand erklären, warum der Brief von Augsburg aus über Bregenz lief? Als 'Preusse' bin ich mit den Gegebenheiten im Süden nicht vertraut.


    viele Grüße


    Dieter

  • Hallo Christian,


    es war die 1. Variante, die 2. kenne ich so nicht damals.


    Hallo Dieter,


    er hätte wohl eher nicht über Bregenz laufen sollen und im Postverein waren Leitwegsvorgaben obsolet, wenn sie nicht andere Gebühren nach sich zogen, was hier nicht der Fall war. Er hätte auch über Prag mit der Bodenbacher Bahn laufen sollen, weil das viel schneller war und über Wien gerade im Winter die eierlegende Wollmilchsau - Leitung gewesen wäre, aber er wurde es nicht und gerade das macht ihn so interessant. Würde man, wie wüsste ich jedoch nicht, den Transit über die Schweiz beweisen können, wäre der Brief göttlich ohne Ende. :P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    vielen Dank für die Erläuterung. Ich hätte eher einen Weg über den Brenner vermutet. Daher war ich doch sehr erstaunt, daß es über Bregenz ging.


    l G


    Dieter

  • Hallo Ralph,


    Würde man, wie wüsste ich jedoch nicht, den Transit über die Schweiz beweisen können, wäre der Brief göttlich ohne Ende. :P :P


    ...der Stempel Bregenz ist dann doch der Beweis, da nur über die Schweiz weitergeleitet werden konnte, wenn der Weg über den Arlberg zum Brenner zu jener Zeit nicht üblich war.


    Viele Grüsse
    Christian

  • Hallo Christian,


    kann man so sehen. Wenn du ein Attest bekommst, in dem das so drin steht, hast du was Großes an Land gezogen. Die Leute sind halt noch immer sehr attestgläubig ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    ...aber du hast mich doch gelehrt, dass Prüfer meist (nicht immer) von Postgeschichte wenig Ahnung haben. :D


    Attest für so einen Brief, macht das überhaupt ein Prüfer?


    Viele Grüsse
    Christian

  • ... ich würde es bei dem Franz versuchen - wenn Achim das auch macht, wäre es auch prima. Vlt. ein Sachsen - Prüfer? Ich kenne aber keinen und ob ein Sachse das weiß (mit der Leitung "under cover" via Schweiz) halte ich für sehr, sehr fraglich, weil es der einzige Brief ist, der so gelaufen sein könnte.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Christian


    Ein interessanter Brief mit viele offene Fragen. Und ich habe wohl auch nicht anders als Fragen zu bieten :)


    Der Brief war 2. in Bregenz abgestempelt und 5. in Verona. 3 Tage Bregenz-Verona über Brenner ist vielleicht mehr als erwartet?


    Warum ist der Brief überhaupt in Bregenz abgestempelt? Wenn in geschlossenen Packet war es vielleicht eher ein Milano Stempel zu sehen oder nur der Verona Stempel? War es in Milano notwendig bei Umkartierung erneut zu stempeln?


    Von Bregenz aus war es die Österreicher egal ob der Brief so oder so lief?


    Antworte zu einige diese Fragen wäre vielleicht hilfreich, leider kann ich dich momentan nicht weiter helfen.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    ja, wahrlich eine postgeschichtliche Rosine...und wem mein Dank dafür sicher ist, weisst du ja... ^^


    Viele Grüsse
    Christian

  • Guten Abend
    Man hat in Winter die Wege mit Baumstämme von Schnee frei gemacht. Der Leitweg war über Chur und Spülgen, wofür man 3x verlangte.
    Was über St. Gotthard geleitet würde 1851 kostete 6x, also ganz egal war es nicht..
    LG A

    "Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben."
    W. v Humboldt