Briefaufgabe am Zug

  • Liebe Freunde,


    hier ein weiteres Beispiel:
    2 Sgr. GSU (U12), Aufgabe in Merseburg an der Thüringer Eisenbahnlinie, rs. Kursstempel Eisenach-Halle, adressiert nach Magdeburg.
    Entwertung des Wertstempels mit Tintenstrich, daher kann auf die Jahre 1855(Ausgabe des GSU)-1858 geschlossen werden.



    Viele Grüße
    Michael


    Altsax : Interessante Beispiele!

    Preußen mit Transiten

  • Am Zug konnten natürlich auch Portobriefe aufgegeben werden:



    Bei Ziesar im Brandenburgischen aufgegeben, wurde der Kursstempel ordentlich rechts oben neben der Ortsangabe abgeschlagen.
    Adressiert in das ca. 13 Meilen entfernte Schwanebeck (Nähe Halberstadt), kostete der Brief 2 Sgr.
    Incl. Bestellgeld kostete es dann 2 1/2 Sgr. (rs.)


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael


    sehr interessanter Beleg - soagr mit Bestellgeldvermerk - ich habe sogar mehr geschaut, da der siegelseitige Betrag zufällig der Expressen Bestellung identisch ist.


    Liebe Sammelfreunde


    ein paar Belege aus MD kann ich auch hier zeigen:
    einmal nach Berlin - leider grausamer Streckenstempel Minden - Berlin 10.1. vorderseitig ist es nur ein Abklatsch...
    dann vom 13.01.1853 noch nach Leipzig - diemal mit Streckenstempel Magdeburg - Leipzig


    Mit freundlichem Sammlergruss
    Ulf

  • Lieber Magdeburger,


    die preußische Erstausgabe ist immer ein Highlight, wenn sie auf schönen Briefen wie hier präsentiert wird. Mit der Stationsaufgabe natürlich noch besser. :P:P


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    hier ein Portobrief, aufgegeben bei Potsdam. Diesmal sparte man sich jeglichen Stempel, auch rückseitig wurde kein Kursstempel abgeschlagen.



    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo zusammen,


    2 Briefe möchte ich euch zeigen:


    Brief 1 nach Langenberg frankiert mit einem senkrechten Dreierstreifen der Nr. 14. Brief mit Aufgabestempel Elberfeld versehen ,Marken schwach mit L3 Soest Düsseldorf und blauen Federzug entwertet . Brief zwar mit Mängel passt aber gut zu Michaels Beitrag Nr. 12


    Brief 2 von Zeitz Bahnhof nach Düsseldorf vom 27.02.62. Nr 12 mit Federzug entwertet. Ich finde ein ausgesprochenes dunkles Orangegelb der 12


    schönen Gruss
    Peter

  • Hier ein Brief nach Offenbach, aufgegeben in Neuss, frankiert mit 2 Silbergroschen und entwertet mit dem auf Brief relativ seltenen Nummernstempel 1748. Allerdings stellte man in Offenbach fest, dass 2 Silbergroschen für einen einfachen Brief von Neuss nach Offenbach (25 Meilen) zu wenig waren (hs. reicht nicht) und forderte 1 Silbergroschen (oder besser 3 Kreuzer) nach. Da für unterfrankerte Briefe im DÖPV 1 Silbergroschen (oder 3 Kreuzer) Strafporto verlangt werden konnten, ergeben sich also 6 Kreuzer Nachtaxe, die vom Empfänger verlangt wurden. Interessant ist auch, dass der in Offenbach übliche Kreuzer Bestellgeld ebenfalls taxiert wurde (ganz klein unter der 6).

  • Hallo preussensammler,


    schöner Brief, aber ich denke, man hat in Neuss fest gestellt, dass 2 Sgr. nicht reichten und dort nachtaxiert. Da im Postverein das Franko, Porto und Nachporto allein der Aufgabepost zustand, hatte sie dafür zu sorgen, dass die Briefe entsprechend taxiert wurden. Der Taxispost wäre das egal gewesen, weil die 6x nicht in deren Säckel flossen.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    hier ein Brief aufgegeben in Zeitz nach Leipzig, handschriftlich entwertet. Leider ist der Brief ohne Inhalt, aber er kann nur aus den Jahren 1858 (der Eröffnung der Bahnlinie Weißenfels-Zeitz-Gera) bis 1862 stammen. 1863 wurde auf der Strecke Leipzig-Corbetha-(Weißenfels-Zeitz)-Gera ein Postkurs des Postspeditionsamtes Nr. 6 (Halle) eingerichtet.

  • Hallo preussensammler,


    interessantes Stück. Geben die Quellen etwas hinsichtlich des benutzten Schreibgerätes her? Mal sehe ich blaue Tinte, dann rote Tinte und dann wieder, wie hier, schwarze bzw. sepiafarbene Tinte.


    Gab es keine Rötel- oder Blaustifte?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus


  • Gemäß Dienst-Instruction für Post-Expediteure von 1854 war festgelegt:


    [b]§ 161 Unmittelbar nach der Einlieferung wird von dem Eisenbahn-Post-Transporte auf die Vorderseite des Briefes der Name der Post-Anstalt, an deren Orte die Einlieferung stattgefunden hat, mit Dinte vermerkt; bei Eisenbahn-Post-Transporten ohne Speditions-Büreaus wird dem Ortsnamen auch das Datum hinzugefügt, hingegen, wo Speditions-Büreaus vorhanden sind, statt der Angabe des Datums auf der Briefvorderseite, ein Abdruck des Cours-Stempel auf der Rückseite des Briefes vorgenommen.


    § 172 Demnächst sind unfrankierte Briefe nach Preußischen Post-Anstalten mit der Taxe zu versehen, hingegen Freimarken und Franco-Couverts zu entwerthen; bei Eisenbahn-Post-Transporten ohne Speditions-Büreaus erfolgt die Entwerthung der Freimarken mittels Durchkreuzung unter Anwendung von Dinte...[/b]


    Ohne Speditions-Büreaus heißt, der Brief wurde beim Schaffner aufgegeben und der benutzte alles, was mit "Dinte" schreiben konnte...


    s.a. Preußen-Studien 128, Lutz Schrader "Bahnposttransporte ohne Eisenbahn-Post-Bureau = Conducteur-Bahnpost"

  • Hallo preussensammler,


    prima - vielen Dank für diese wertvollen Informationen. Demnach ist verständlich, dass mir keine Briefe mit Bahnaufgabe bekannt sind, die Farbstifteinsatz zeigen.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liege ich mit meiner Vermutung richtig das dieser Brief von Hadmersleben nach Vinzelberg bei Lüderitz auch am Zug aufgegen wurde?
    Bahnpoststempel Minden-Berlin vom 20.3.??


    Gruß Helmut


    Ja, dieser Brief wurde direkt am Zug aufgegeben. Allerdings führte der Zug einen Kurswagen.

  • Wie aus der obenerwähnten Vorschrift hervorgeht, gab es bei der Briefaufgabe am Zug zwei Möglichkeiten:


    Entweder wurde der Brief beim Aufenthalt im Bahnhof in den Briefkasten am Kurswagen eingesteckt. Es gibt in der Vorschrift auch Anweisungen, wie mit den eingeworfenen Brief zu verfahren war. Nach dem Ende der Nummernstempelzeit wurde, wie bei dem Brief gezeigt, der Kursstempel zur Entwertung verwendet. Der Ort, an dem der Brief eingeworfen wurde, musste handschriftlich aufgeschrieben werden.


    Anders war es, wenn der Zug keinen Kurswagen hatte. Dann konnten Briefe bei Zug-Schaffner aufgegeben werden.


    Warum gab es in Preußen überhaupt Kurswagen, die auch als fahrende Speditions-Büros bekannt waren? Die Besonderheit des preußischen Bahnwesens bestand darin, dass sich nahezu alle Bahnen im Besitz privater Gesellschaften befanden. Bei der Erteilung der Eisenbahnkonzession wurde verordnet, dass auf Wunsch der preußischen Post mit den Zügen Kurswagen zu befördern waren. So wurde z.B. 1863 bei der Eröffnung der Strecke Angermünde(-Pasewalk)-Anklam ein neuer Kurswagen für diese Strecke bestimmt. Für die gleichzeitig fertiggestellte Strecke Pasewalk-Stettin unterblieb diese Anordnung. Dort war der Schaffner für die Postbeförderung zu ständig.

  • Da ich gerade mein Albumblatt mit diesem Brief vorbereite habe ich bei Google Maps die Entfernung kontrolliert. Da komme ich aber über 10 Meilen und dann wäre der Brief unterfrankiert. War die Bahnstrecke kürzer?


    Gruß Helmut