Bayern - Fahrpostaufgabescheine

  • Hallo zusammen,


    als nächstes möchte ich noch ein Thema für Fahrpostaufgabescheine aus Bayern erstellen. Falls gewünscht, kann es gerne aufgeteilt werden.


    Das erste vorzustellende Exemplar wäre eines aus Frankenthal vom 24.10.1870. Das Gewicht der Sendung betrug 4 Pfund und 4 Loth, was zu einem Franco von 43 Kreuzern führte, zuzüglich der 3 Kreuzer Scheingebühr. Der Adressat wohnte in Ludwigshafen (?). Frankenthal war ein Postamt erster Klasse, dass seit dem 1. Januar 1827 eine Postexpedition hatte. 1870 war Herr Wendelin Hofherr Vorstand.



    Herzliche Grüße


    Christian

  • Lieber Christian


    den Ort kann ich auch nicht genau entziffern, jedoch paßt einer von 5 - 15 Meilen.
    Weiter wurde ein Wert von 1540 Gulden 20 Kreuzer declariert. Die Werttaxe betrug für die ersten 175 Gulden 1 Sgr und dann weiter je angefangene 175 Gulden 1 Sgr mehr bis 1750 Gulden.
    Hier haben wir fast 9 x 175 Gulden, so dass sich damit 9 Sgr Werttaxe ergeben. Für ein Paket von 4 bis 5 Pfund galt die Mindestfahrposttaxe von 11 Kreuzer oder 3 Sgr.


    Der Betrag von 42 Kreuzer franco ist die Reduction von 9 Sgr Werttaxe + 3 Sgr Mindestfahrposttarif.
    Wenn jedoch jeder Wert einzeln zu rechnen ist, ergeben sich 43 Kreuzer (9 Sgr sind aufgerundet 32 Kreuzer + 11 Kreuzer Mindestfahrposttarif). Leider gibt es nicht mehr dazu, oder in finde es auf die Schnelle nicht.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Ulf, danke für die schnelle Antwort.


    Der folgende Beleg stammt aus der Pfennig-Zeit, vom 1. Juli 1879. Es handelte sich um die Einlieferungsbestätigung für einen Wertbrief mit 3.300 Mark Wertangabe und einem Gewicht von 90 Gramm. Die Gebühr betrug 75 Pf (bis 600 M Wertangabe 30 Pf, für jede weitere 300 M Wertangabe 5 Pf - 2700 / 300 * 5 = 45 Pf). Hinzu kam das Bestellgeld von 10 Pf. Die weiteren 10 Pf könnten für einen Rückschein angefallen sein?



    Herzliche Grüße


    Christian

  • Hallo,
    ich bin seit heute neues Mitglied hier im Forum und durchforste grad die mich interessierenden Beiträge.
    Hier gleich mal eine kleine Ergänzung zu dem Fahrpostaufgabeschein von Frankenthal. Wendelin Hofherr war von 1829-1873 Postexpeditor in Frankenthal. Unterschrieben ist der hier präsentierte Schein allerdings von Daniel Boßlet. Der war damals schon in der Postexpedition Frankenthal tätig, wurde dann 1873 Nachfolger von Hofherr (bis 1894).
    Hofherr hatte neben seiner Hauptanstellung offenbar auf eigene Rechnung und eigenes Risiko noch einen Paketbeförderungsdienst in Frankenthal, wie ein Beleg von 1842 (Privat-Eilwagen-Expedition) zeigt.

  • Liebe Sammlerfreunde,


    zu den Fahrpostaufgabeschein von Frankenthal
    darf ich auf den Artikel "Privat-Unternehmungen
    für die Personen- und Frachtbeförderung in der
    Rheinpfalz von Herrn Friedrich Pietz" im Rundbrief
    Nr.25 / 2010 der ARGE BAYERN e.V. hinweisen. Hier
    ist u.a. die selbe Form aus Frankenthal abgebildet.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Hallo dikoe,


    einfach dort kurz vorstellen und ein paar Seiten der Slg. zeigen - macht sich immer gut. :)


    Liebe Grüsse,
    Ralph


    Lieber VorphilaBayern,


    vielen Dank für den Hinweis auf die Literatur. :)


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo dikoe,


    auch von mir ein herzliches Willkommen in unserem spannenden Forum :)


    Freue mich auf wietere tolle Beiträge von Dir, wie den seltenen Schein-
    Danke fürs zeigen :thumbup:


    Liebe Grüsse
    Bayern Social

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Hallo dikoe,


    auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum.


    Frankenthal wird in den Hof- und Staatshandbüchern der Jahre 1833 bis 1843 nur noch als Briefsammlung, nicht mehr als Expedition geführt.
    Deckt sich das mit anderen Quellen (das Buch von Englram steht mir momentan leider nicht zur Verfügung)?
    Ist das vielleicht auch ein Grund für das Vorhandensein einer privaten Fahrpost, weil dieser Dienst nach einer Herabstufung nicht mehr zur Verfügung stand?
    In den offiziellen Quellen ist die Bezeichnung des Charakters der Posteinrichtung in Frankenthal nicht konsistent (s. Anlage).


    Viele Grüße aus Erding!

  • Hallo Erdinger,


    da bin ich im Moment auch überfragt. Werd aber am Ball bleiben; vielleicht find ich was heraus.


    Gruß


    dikoe

  • Hallo dikoe,


    danke für den Bescheid.
    Eine Ergänzung bzw. Korrektur noch zu meiner Aufstellung:
    Beim letzten Eintrag HStHb. 1844 lies "ohne Relais".


    In dem Werk "Anzeige der Beamten und Angestellten im Staats- und Communaldienste des Königlich Bayerischen Rheinkreises, Speyer 1835, wird Frankenthal als Expedition (und nicht im Abschnitt für Briefsammlungen!) geführt (Expeditor Hofherr, Postbote Schottler).


    Da soll sich einer auskennen ...


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Hallo Freunde


    Dieser Sommer habe ich diesen Schein bekommen und will es hier gern zeigen. Fahrpostscheine nach Österreich habe ich nicht gehabt, so es hat mich gefreut dieser zu erwerben.


    Ein Paket ging von Nürnberg den 3. April 1820 nach Weiden nach Neuburg bei Wien (wohl bekannte Klosterneuburg). Es war ein Aufbrauchsschein und Jahreszahl ist dann handschriftlich korrigiert geworden.
    Interessant ist dass auch der Paket nur bis zum Grenze bezahlt war, wie die Briefe. Hier 26 Kreuzer Rh für die Strecke bis Scheerding wo den Austausch war. Scheingebühr war 4 Kreuzer Rh.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Liebe Freunde,


    der folgende Aufgabeschein von Langenfeld nach Wien aus dem Jahr 1851 wog schwer ...



    Das 1 Pfd. 17 Loth schwere Paket enthielt Staats Obligationen im Wert von 25.000 Talern und ging an das Fürstlich Schwarzenbergische Hauptzahlamt in Wien.
    Franko und Assekuranz betrugen zusammen 20 fl. 12 kr.


    Die Adresse verweist auf die Schwarzenbergs (und auch hier ), ein fränkisch-böhmisches Adelsgeschlecht, das zum einflußreichen Hochadel gehörte. Ein Sproß war z.B. Felix zu Schwarzenberg , der zu dieser Zeit österreichischer Regierungschef war.
    Das fränkische Langenfeld liegt unmittelbar neben Schloß Schwarzenberg , dem ehemaligen Stammsitz der Familie und zu jener Zeit noch immer mit umfangreichen und ertragreichen Ländereien versehen.
    So wird der Versand einer so großen Summe etwas verständlicher.


    Unterschrieben wurde der Aufgabeschein von dem ebenfalls nicht unbekannten Posthalter Georg Moritz Stöcker.


    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    Scheine über so große Beträge - 25.000 Thaler waren ja ein Vermögen - sind nicht häufig und, wenn es ins Ausland ging wie hier nach Wien, dann stellten sie besondere Anforderungen an die Portokassen der Absender.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Michael


    ein super toller Schein!
    Ich habe mal versucht das Franco zu klären - leider bin ich zu keinem erfolgreichen Ergebnis gekommen!


    Laut Vertrag zwischen Österreich und Bayern waren der Taxgrenzpunkt hier Waldmünchen für Bayern und Klentsch (heute Klenčí pod Čerchovem) für Österreich. Die zugrundeliegenden Entfernung wären für Bayern 21,5 Meilen, was der Entfernungsstufe 5 und für Österreich 40 Meilen, hier dann die 8.Entfernungsstufe entspricht.


    Für beide Strecken galt somit der Mindestfahrposttarif von 9 Kreuzer. Hier fängt es jedoch schon an schwierig zu werden, da Bayern in 24,5 Guldenfuß und Österreich im 21 Guldenfuß rechnete. 9 Kreuzer im 21 Guldenfuß entsprechen 10,5 -> aufgerundet 11 Kreuzer rheinisch.


    Laut Vertrag war es möglich unfrei / bis zur Grenze / ganz frei zu versenden.


    Die Wertangabe dürfte in Gulden erfolgt sein. Die Declaration sollte in der Landeswährung erfolgt sein, so das von rheinischen Gulden ausgegangen werden kann.


    Laut Schein waren 20 Gulden 12 Kreuzer als Franco bezahlt worden. Subtrahiere ich 20 Kreuzer verbleiben 1192 Kreuzer noch für die Assekuranzgebühr (Wertgebühr). Da keine der beiden Strecke länger als 50 Meilen ist, betrug diese 2 Kreuzer je 100 Gulden. Der Vereinfachung jetzt, kann man also die 1192 durch 4 (2x 2 Kreuzer je 100 Gulden) teilen und erhält 298. Mulipliziert man diesen Wert mit 100 erhält man einen Wertbetrag von 29800 Gulden, welcher für die Berechnung für einen Betrag von 29700 Gulden 1 Kreuzer bis 29800 Gulden herangezogen worden sein sollte. Laut Wertdeclaration sind es jedoch nur 25000 Gulden.


    Wenn die Wertangabe in österreichische Gulden erfolgt sein sollte, wird es interessanter:
    Für Österreich ergibt sich eine Assekuranzgebühr von 500 Kreuzer, was jetzt 584 Kreuzer rheinisch sind. 25000 Gulden in Österreich sind aber 29166 Gulden 40 Kreuzer rheinisch -> Assekuranzgebühr hierfür sind ebenfalls 584 Kreuzer rheinisch. In Summe ergibt sich nun folgendes Bild: 2x 584 x + 20 x = 1188 x = 19 Gulden 48 Kreuzer


    Noch kurz 25000 Thaler wären 43750 Gulden rheinisch oder 37500 Gulden Österreich -> hier ergeben sich deutlich höhere Werte.


    Vielleicht bin ich auch völlig falsch....


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Magdeburger,
    weiß nicht ob ich dich richtig verstehe, deswegen möchte ich paar zusätzliche Fragen stellen :
    Bei Fahrpost rechnen jede Postgebiet bis zur Grenze?
    Franko wird folgend berechnet: Paket + Werttaxe
    Paket- mindestens Briefgebühr (9x) aber bei höheren Gewicht für jedes Pfund je 5 Meilen um ½ Kreuzer Porto Erhöhung. (?)
    Werttaxe - Entfernung für die gesamte Strecke oder nur bis Grenze?
    LG F

    "Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben."
    W. v Humboldt