Briefe an Mitglieder der regierenden Häuser

  • Zu dem nachfolgend gezeigten Brief erhoffe ich mir einige Aufschlüsse von den Bayern-Spezialisten:


    Leider handelt es sich nur um eine leere Hülle, sodaß sich der Absender allenfalls aus dem - mir unbekannten - Siegel ermitteln ließe.


    Wenn der Brief portofrei gelaufen wäre, hätte er doch keinen "frei" - Vermerk tragen dürfen!?


    War er frankiert, warum war dann nicht wenigstens die Brieftaxe in Marken dargestell?


    Mußte bei Barfrankatur die Taxe nicht vermerkt werden?


    Wer kann mich aufklären?


    Altsax

  • Lieber Altsax,


    ein sehr schöner, seltener und interessanter Brief - Glückwunsch zu dieser Rosine! :P


    Der Absender geht aus dem siegelseitigen Text hervor - es war der Cassir des Oberpost- und Bahnamtes und des Ludwigcanals, also keine untere Charge.


    Der Adressat war in Bayern als portofrei bekannt, wodurch es nicht einer durchaus möglichen aktiven Portofreiheit des Absenders bedurft hätte. Ich halte diese aber für möglich, worauf der "frei" - Vermerk deutet (bei alleiniger passiver Portobefreiung des Adressaten wäre nicht "frei" zu vermerken gewesen, wenn man die Postvorschriften beachtete).


    Selten ist die Einschreibung, die 6 Kr. erfordert hätte. In diesem Fall zog man in Nürnberg zwar einen Schein und vergab eine Reconummer, aber 6 Kr. zahlte man als Cassir des OPA Nürnberg natürlich nicht, weil man einfach einen Postschein für sich selbst ausfertigte und vom Block riss. Wäre der Brief in Verlust geraten, hätten man - auch ohne etwas bezahlt zu haben - 24,5 Gulden von der bayer. Staatspost vergütet bekommen, weswegen ein solches Unterfangen Sinn machte.


    Eine Barfrankatur gab es bei bayerischen Briefen in Postvereinssachen nicht.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • also keine untere Charge.

    Hallo die Runde


    bayern klassisch darf gern dieser Satz erklären :)


    Und eine Frage weil ich hier nicht ganz verstanden habe. Der Brief war einmal mit marken frankiert, dazu gestempelt - man sieht noch deutlich Stempelfragmente.


    Meint ihr dass die gestempelten Marken weggenommen sind? Und dann sicher auch auf anderen Briefe benutzt geworden sind.
    Und wer hat es gemacht?


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    eine "Charge" war ein Dienstgrad. Eine untere Charge waren einfache Bedienstete, die kein Siegel führen durften, keine Portofreiheiten genossen und am unteren Ende der Hierarchie anzusiedeln waren.


    Der Absender dieses Briefes war eher oben anzusiedeln.


    Ob da eine Marke einst appliziert war, kann uns der jetzige Besitzer sicher genauer sagen. Jedenfalls hätte es keiner bedurft!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Und eine Frage weil ich hier nicht ganz verstanden habe. Der Brief war einmal mit marken frankiert, dazu gestempelt - man sieht noch deutlich Stempelfragmente.

    Hallo Nils,


    auf diese naheliegende Idee, die - fast - alle Zweifelsfragen klärt, bin ich tatsächlich nicht gekommen. Links oben klebt noch ein Papierrest, der von einer Briefmarke stammen könnte bzw. müßte. Es gibt zudem Wässerungsspuren und Stempelreste auf dem Papier, die auf ehedem 4 dort befindliche Marken schließen lassen.


    Beste Grüße


    Altsax

  • Hallo Altsax


    Dann ist die Frage ob der Brief tatsächlich Portofrei gelaufen war oder nicht. Wie ich die Antwort von bayern klassisch verstehe, musste der Absender nicht frankieren. Hat er es nicht gewusst?


    Der Brief ist 15.12. abgeschickt. Es sieht aber von die Rückseite her so aus ob der Brief 16.12. in Nürnberg vermerkt war. Leider kann ich der letzte Satz nicht ganz deuten. Es heisst "blieb unter...."


    Kannst du es lesen?


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    da lese ich: "Bitte um neue Ord(e)re, blieb unbeantwortet".


    Vlt. hat man die Marken auch damals schon abgenommen, nachdem man bemerkte, dass ihr Gebrauch Verschwendung war? Das war möglich und eine Vergütung für den "Kunden" konnte stattfinden.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bk,


    im Hinblick darauf, daß für Korrespondenz zwischen Vereinsstaaten die Portofreiheiten sehr restriktiv gehandhabt worden sind, vermute ich, daß es sich ehemals um eine reguläre Markenfrankatur gehandelt hat. Die recht unsachgemäße Entfernung der Briefmarken dürfte auf den Besitzdrang eines Sammlers zurückzuführen sein, der damit einen sicherlich interessanten Brief entwertete.


    Man sollte auch einen Fehlkauf nicht durch eine rosarote Brille betrachten!


    Liebe Grüße


    Altsax

  • Lieber Altsax,


    ich kenne 3 (und besitze davon 2) Briefe an den Empfänger, die portofrei befördert wurden (von München und Nürnberg).


    Du hast schon so viele Schnäppchen gemacht, da ist dieser Brief zu verschmerzen.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    zum Thema Portofreiheiten ab 1870 gibt es einen sehr schönen Artikel in dem Rundbrief Nr. 145 der Arge Brustschilde, wo auch die einschlägigen Verordnungen abgebildet werden. Grundsätzlich wurde ab 1.1.1870 Post an bzw. von die regierenden Fürsten, deren Gemahlinnen/Wittwen sowie in Verwaltungsangelegenheiten des eigenen Hofstaates weiterhin porto- und gebührenfrei befördert. Allerdings in Angelegenheiten, die Privatinteressen des Absenders betrafen, bestand Portopflicht (allerdings mit Ausnahme zumindest von Hessen Darmstadt).


    In der Verordnung wird auch ausdrücklich die Portofreiheit der Prinzen/essinen aufgehoben. Im Rundbrief der Arge NDP Nr. 86 findet sich auf S. 66 ein sehr amüsanter zeitgenössischer Abdruck eines Artikesl zum Thema "Aufhebung der Portofreiheiten der Prinzessinen". Ich will hier keine Werbung machen, aber in diesen Rundbriefen wird immer wieder das Thema Portofreiheiten behandelt, absolut lesenswert.


    Wenn mich jetzt einer fragt, ja, ich bin Mitglied dieser Arbeitgsemeinschaften und aktuell schlage ich mich mit diesem Beleg herum: Als königl. Dienstsache eigentlich portofrei im Wechselverkehr nach Böhmen, aber da ist ein kleiner Vermerk unter dem Paketzettel, der mich nachdenklich macht: "10" Kreuzer, das entspricht dem Porto für die Beförderung des Pakets, oder betrug das Bestellgeld in Österreich-Ungarn damals 10 Kreuzer?


    Vielleicht hat einer der Leser eine Idee.


    bis bald
    jdj180

  • Hallo jdj180,


    ich bin mir nicht sicher, ob diese Schnörkel mit einem Porto etwas zu tun haben. 10 Neukreuzer galten wie 7 Kr. rheinisch bzw. 2 Silbergroschen. Einen solchen Betrag halte ich als Zustellgebühr für ein Paket für zu hoch.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo jdj 180,


    die Abschaffung der Portofreiheiten für Prinzessinen
    betraf nur solche im Deutschen Reich. Prinzen und
    Prinzessinen aus dem Hause Thurn und Taxis hatten
    bis 31.12.1909 Portofreiheit innerhalb Bayerns.
    Desweiteren Bayrische Prinzen und Prinzessinen
    innerhalb Bayerns bis 7.11.1918. Möchte hierzu zwei
    Belege zeigen:
    Ansichtskarte an Prinzessin Amelie von Thurn und Taxis
    vom 14. April 1904, sowie Ansichtskarte von Prinzessin
    Hildegard von Bayern vom 29. Dezember 1916.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    folgenden Brief möchte ich zeigen:
    Brief aus Neuburg an der Donau (Bayern) an "Monsieur Le Duc de Baviere"
    (an den Herrn Herzog in Bayern). Ich denke, es ist Herzog Wilhelm in Bayern.
    Er war der Vetter von König Maximilian I. von Bayern. Geboren 1752 in Geln-
    hausen, gestorben 1837 in Bamberg. Er liegt in der Familiengruft der Herzöge
    in Bayern am Tegernsee begraben. Der Brief kam am 12. Oktober 1808 in Erfurt
    an. Ich denke, Herzog Wilhelm war beim Erfurter Fürstenkongress, der vom 27.9. -
    bis 14.10.1808 dauerte. Erfurt lag im Fürstentum Erfurt, eine französische Exklave
    in Thüringen (1807 bis 1813). Kam ab 1813 zu Preußen. Der Herzog genoß gänzliche
    Portofreiheit.


    Beste Grüße von Vorphila Bayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    ein phantastischer Brief, um den dich jeder Bayernsammler nur beneiden kann. :P


    Mit dem Adressaten hast du sicher Recht - es gibt mehrere Briefe an ihn von dem selben Absender, da gibt es für mich keinen Zweifel.


    "Par Nürnberg franco" bezog sich nur auf die Strecke bis zum Grenztaxpunkt Nürnberg und die Taxispost beließ ihn auch so, obwohl der Absender nichts bezahlt hatte (aktive Postportofreiheit).
    Die passive Portofreiheit wurde dann auch bis Erfurt gewährt - sieht man auch nicht häufig.


    Den siegelseitigen Stempel A(nkunft) ... kenne ich auch nicht und schöner kann es ihn damals schon nicht gegeben haben.


    Danke auch für den historischen Zusammenhang - macht das Briefchen noch besser. Jetzt ist er in der richtigen Sammlung. :)


    Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch,


    herzlichen Dank für Ihren Hinweis, damit ich
    dieses schöne Stück erwerben konnte und für
    Ihre Beschreibung.


    Liebe Grüße von VorphilaBayern

  • Hallo Freunde


    Einen schönen Brief darf ich mal vorstellen (obwohl mal anderswo gezeigt).


    Brief von Gotha an der Herzog zu Sachsen Hildburghausen im Jahr 1826 geschickt. Und wie man sieht eingeschrieben. Ob der Absender etwas hierfür bezahlt hat, weiss ich nicht. Der Empfänger war auf jeden Fall hier Portofrei.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Lieber Nils,


    ein traumhaft schöner Brief, der in jeder Sammlung gerne und gut gesehen wäre... :P:P


    Da stimmt wirklich alles, wo bekommst Du diese tollen Stücke nur immer her? 8o8o


    Viele Grüsse
    BAyern Social

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • ...etwas moderner, meine Frage wenn es eine königliche Angelegenheit war, kam es dann direkt vom Sächsischen König?

    Bilder

    „Männer für gefährliche Reise gesucht. Geringer Lohn, bittere Kälte, lange Monate kompletter Dunkelheit, ständige Gefahr, sichere Rückkehr ungewiss. Ehre und Anerkennung im Erfolgsfall.“


    – Ernest Shackleton

  • Liebe Sammlerfreunde,


    folgenden Brief möchte ich zeigen:
    Teilfrankobrief aus Triest in Österreich (Siegelseite 1 Gulden 10 Kreuzer bis zur
    österr. bayer. Grenze) an Seine Königliche Hoheit, Herrn Herzog Wilhelm in Bayern
    nach Bamberg aus dem Jahr 1833.
    Herzog Wilhelm in Bayern - siehe folgenden Link:


    http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_in_Bayern


    hatte in Bayern Portofreiheit. Nachdem die Cholera immer noch grassierte,
    wurde der Brief in Triest geöffnet, geräuchert und desinfiziert und mit einen Siegel
    mit der Inschrift "S.DEL LAZARETTO DI S. TER. DI TRIESTE" wieder verschlossen.


    Beste Grüße von VorphilaBayern