Schleswig-Holstein - DÖPV

  • Hallo bayern klassisch,


    das erscheint mir auch die plausibelste Erklärung zu sein.
    Obwohl ich nicht so sicher war, dass "dieselbe Hand wieder strich", weil der Blauton der Tinte leicht unterschiedlich aussieht.


    Mal sehen, ob sich ein Brief aus Sachsen (oder Preußen) aus dieser Zeit finden lässt, der ein richtiges Porto von "5 1/2" zeigt. Wäre interessant zu wissen, von welcher Destination die Aufgabepost zuerst ausging ...


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo Nordlicht,


    das mit dem Farbton bei Tinte ist so eine Sache - neue Tinte nachgefüllt, leicht anderer Ton; etwas mehr Druck - Tinte wird heller; etwas weniger Druck auf der Feder - Tinte wird dunkler.


    Was hätte denn ein Brief nach Lauenburg bzw. M-Schwerin gekostet?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Nordlicht,


    ich meine bei einem Portobrief die heimische Währung; bei M-Schwerin wären es glaube ich 6 1/2 Schillinge gewesen, bei Lauenburg weiß ich es nicht (rechneten die nicht in lübbischen Schillingen?).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Moin,


    in Lauenburg wurde in Schilling L.M. (Lauenburgische Münze) gerechnet, der sich wie der Mecklenburgische Schilling verhielt.
    Aber die erste Taxierung nach der Aufgabe wäre doch ohnehin nicht in heimischer Währung des Ziellandes erfolgt, sondern in heimischer oder Vertragswährung des Absenders und dann auch nur in Höhe des eigenen Anteils an der Gesamttaxe.


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Moin Nordlicht,


    dann weiß ich auch nicht, wie ich diese Gebühr interpretieren soll. Grote können ja nicht gemeint sein und andere norddeutsche Währungen außer Schillingen fallen ja eh flach.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo allerseits,


    nach dem Postvertrag zwischen Dänemark und Mecklenburg-Schwerin, der für Schleswig-Holstein (anfänglich) weiter Gültigkeit hatte, betrug die Taxe zwischen Segeberg und Ludwigslust 2 Silbergroschen (jeweils 1 Silbergroschen holsteinischer und mecklenburgischer Anteil).


    Der Brief wurde mit 2 1/2 Schilling leicht unterfrankiert (2 Silbergroschen = 2 2/3 Schilling), aber nicht beanstandet.


    Solche (Unter-)Frankaturen sieht man gar nicht so selten - die einen wurden nachtaxiert, andere nicht. Daher habe ich mich gefragt, in wessen Ermessen das eigentlich lag.
    Hatte i.d.R. das Aufgabe-, das Grenz- bzw. Austausch- oder das Abgabepostamt ein fehlendes Porto zu notieren?
    Und hätte dieses Porto dann an die absendende Postverwaltung zurückfließen müssen?


    Insbesondere in letzterem Fall kann ich mir gut vorstellen, dass man sich diese Mühe bei kleinen Beträgen überlegt hat ...


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo nordlicht,

    .

    ich bin immer wieder begeistert von der schlichten Schönheit der SH-Ausgaben, so auch hier. Eigentlich solltedie Aufgabe von Nachtaxierungen unzureichend frankierter Sendungen bei der absendenden Postverwaltung liegen, welche die Forderung dem Zielland gegenüber dann in den Briefkarten geltend gemacht haben müsste. Deswegen wird der eine oder andere da wohl bei geringeren Beträgen gemeint haben, die Kirche im Dorf zu lassen. Wenn es nachtaxierte Belege gibt, dann kann ich mir vorstellen, dass es selbst bei jenen nicht immer so einfach sein wird festzustellen, wer die Nachtaxierung überhaupt durchgeführt hat. Da wird es langfristig wohl auf den Vergleich Schrift, Farbe, Schreibgerät ankommen.

    .

    Viele Grüße !

    .

    vom Pälzer

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgenden Wert- und Auslagenbriefhülle aus Glückstadt (Schleswig-Holstein)
    nach Nürnberg (Kgr. Bayern) als Militaria vom I. Bataillon von Schleswig-Holstein
    in Glückstadt.
    Laut Handbuch von Wigand Bruns "Altdeutschland Fahrpostbriefe 1824 - 1874" steht
    bei Schleswig-Holstein folgendes:
    1850 - 1852 Erste Aufgabezettel ohne Ortsangabe für den Begleitbrief;
    1852 - 1864 Dänische Posthoheit, keine Paketaufgabezettel;
    u.s.w.
    Der Brief ist also aus dem Zeitraum von 1850 bis 1852.
    Inliegend waren 5 Mark Courant und 14 Schillinge Courant.
    Auslagen waren 2 Silbergroschen, wenn ich es richtig deute.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Moin,


    nach der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (ab 1848 ) wurde die Postverwaltung modernisiert. Dabei wurden zum 1.1.1850 auch Paketbegleitzettel eingeführt (hatte man sich bei Preußen abgeguckt). Nachdem Dänemark wieder am Ruder war, wurden diese abgeschafft. Insofern liegt Wigand Bruns (natürlich) richtig.


    Da Schleswig-Holstein seine Armee im Januar 1851 auflöste, vermute ich, dass der Brief aus 1850 stammt.
    Dann passt er zwar nicht mehr in die DÖPV-Zeit, aber das macht ihn nicht weniger interessant!


    Danke für's Zeigen!
    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo zusammen,


    warum wurden aus den 2 Sgr = 7 xr nun 15 xr? Ist das der Portoanteil, den Bayern beanspruchte?
    Was bedeutet die doppelt unterstrichene 11 rechts oben? Die Farbe ist die gleiche wie bei der Streichung der 2 Sgr und den 7 xr.


    beste Grüße


    Dieter

  • Hallo,


    die Taxierung des Briefes erschließt sich mir leider nicht.
    Die 2 Sgr = 7 Kreuzer halte ich für die Gebühr der Wertsendung. Bei den 11 Kreuzern habe ich zuerst an das taxissche Transitporto zwischen Hamburg und Bayern gedacht, aber es müsste bei diesem schwereren Brief nicht ausgereicht haben. Und es stellt sich auch die Frage, ob der Brief zumindest teilweise als gebührenfreie Feldpost lief.


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo,


    Briefe aus der (kurzen) Zeit der holsteinischen Mitgliedschaft im Postverein sind relativ selten.
    Dieser Beleg lief am 7.Januar 1852 von Kiel nach Braunschweig. Das Herzogtum Braunschweig war erst am 1.1.1852 dem Postverein beigetreten.
    Die Gebühr betrug (für Entfernungen über 20 Meilen) 3 Silbergroschen und wurde mit 4 Schilling bar bezahlt.


    Offenbar waren solche Briefe aus Holstein auch für die anderen Postverwaltungen ungewöhnlich. Denn es wurde vom hannoverschen Postamt in Hamburg, das die Weiterleitung nach Braunschweig übernahm, ein "H" (für Holstein) und ein weiterer Rötelvermerk notiert, den ich als "Pv" (für Postverein) deute.


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo Nordlicht,


    ich halte das rechte Zeichen nicht für ein "H" und ob das in der Mitte "Pv" heißt, halte ich auch für zweifelhaft.


    Das "H" dürfte eher eine "11" darstellen und statt "PV" lese ich eher "Pr" für Preussen, auch wenn das mal mehr, mal weniger Sinn zu machen scheint.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch,

    das rechte Zeichen ist unzweifelhaft ein "H", da es weitere Belege gibt, die das bestätigen. Es war ein gewohntes Verfahren des Hannoverschen Postamtes in Hamburg zur Kennzeichnung der aus Dänemark / Schleswig Holstein kommenden Briefe. Später wurde dafür ein Herkunftsstempel "Aus Dänemark" benutzt.


    Bei dem "PV" bin ich zwar nicht so sicher, aber ein "Pr(eussen)" scheidet aus, da Preußen hier nicht beteiligt war. Also ist "Postverein" m.E. noch die plausibelste Erklärung.

    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo nordlicht,


    gut, dann lassen wir das mal so stehen - war ja nur eine Spekulation meinerseits. In jedem Fall ein ganz feines Stück!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus