Das Schleswig-Holsteinische Ober-Postamt

  • Hallo allerseits,


    angeregt durch senziger's Beitrag im Parallelthema und nach Ermutigung durch DKKW möchte ich hiermit ein neues Thema zum Schleswig-Holsteinischen Ober-Postamt (SHOPA) in Hamburg beginnen.


    Am 28.April 1848 wurde das Königlich Dänische Ober-Postamt (KDOPA) in Hamburg von der schleswig-holsteinischen Postverwaltung übernommen und ein Schleswig-Holsteinisches Ober-Postamt eingerichtet, das für den Briefverkehr mit Dänemark und Schleswig-Holstein zuständig war.


    Es wurden verschiedene Stempeltypen benutzt, die ich leider nicht alle belegen kann.
    Zeigen kann ich den Doppelkreisstempel "S-H.O.P.A.HAMBURG" auf einem Brief nach Meldorf. Diesen Stempel gibt es in 2 Typen (mit Bindestrich und mit Punkt zwischen "S" und "H"). Die Verwendungszeit war bis Anfang 1851.


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo nordlicht,


    vielen Dank für die Eröffnung des Themas und das Zeigen des schönen Briefes (ist er datierbar?). Ich kann hier z.Z. leider noch nichts zeigen, aber das ändert sich bestimmt noch ;)


    Gruss


    senziger

  • Hallo zusammen,


    na dann will ich mal auch meinen Beitrag zum neuen Thema leisten. Der Brief datiert "Drönnewitz, den 5ten Oct. 1849" und damit fällt dieser Brief schon wieder in die Periode der dänischen Verwaltung. Wie gesagt, der Brief wurde auf Gut Drönnewitz in Mecklenburg geschrieben und dem Postamt Wittenburg zur Beförderung übergeben. Der blaue Zweikreiser "Wittenburg 5.10." ist leider sehr schwach. In Hamburg als Transitstempel der K2-Stempel S-H.O.P.A. Hamburg vom 6.10. abgeschlagen, siegelseitig keine Stempel und keine Vermerke. Vorderseitig mit Blaustift die Taxvermerke 2 1/2 und 4 sowie eine Rötel 3. Nach Heinosen hätte 1846 Uetersen - Hamburg 3 Sch. Crt. gekostet und Hamburg - Wittenburg 4 Sch. Crt. Aber ob die Taxvermerke 3 und 4 aus dem Jahr 1849 in umgekehrter Richtung noch immer so zu lesen sind? Ich weiss es nicht.


    Viele Grüße
    DKKW

  • Hallo DKKW,


    sehr schöner Brief!


    Bei den Taxierungen bin ich noch unsicher. Hatte spontan auf 3 mecklenburgische Schilling (= 2 1/2 lübsche Schilling) für die mecklenburgische Strecke plus 1 lübsche Schilling für die holsteinische Strecke getippt, kommt aber auch nicht ganz hin.
    Sicher bin ich mir jedoch, dass die Strecke Hamburg-Uetersen keine 3 Schilling kostete (sondern 1 Schilling).


    Viele Grüße
    nordlicht


    PS: senziger , mein Brief ist leider nicht datiert (also entweder aus 1849 oder 1850)

  • Hallo,


    dieser Brief wurde 1850 von Frankfurt nach Ratzeburg (Lauenburg) geschickt.
    Die Bearbeitung in Hamburg erfolgte im Schleswig-Holsteinischen Ober-Postamt und wurde mit dem Stempel "HAMBURG SCH-H.O.P.A." dokumentiert.
    Das Porto von Frankfurt nach Hamburg betrug 9 Schilling und wurde in 11 Schilling L.M. umgerechnet.
    Innerhalb Lauenburgs wurde kein Porto berechnet, weil der Adressat - Graf von Kielmannsegg - als Statthalter von Lauenburg vermutlich Gebührenfreiheit genoss.


    Es wundert mich jedoch, dass überhaupt ein Porto angesetzt wurde. Denn der Brief wurde als Dienstsache von der Bundescentralcommission (ex Bundesversammlung) aufgegeben. Waren solche Briefe nicht ohnehin portofrei?


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo Nordlicht,


    Absender war die Bundes Central Commission, nicht ein portobefreiter Deputierter. Das macht hier den Unterschied.


    Tolles Stück aber sowieso! :P


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo die Runde


    Zuerst ein toller Brief :) :)


    Aber eine Frage an bk. Was macht die Unterschied? Du hast nur zwei "Namen" erwähnt aber nicht der "Unterschiedsbestimmer". Wäre ein Deputierter notwendigerweise Portofrei im Ausland?


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    Beispiel: Karl Mayer war Beamter beim Gericht. Gerichtsbriefe waren portofreie Dienstbriefe. Schrieb Karl Mayer im Dienst einen Brief, war er portofrei, weil er von der Behörde kam.
    Schrieb Karl Mayern privat einen Brief, war er natürlich kostenpflichtig.


    War Karl Mayer Deputierter, war es umgekehrt. Schrieb er in seiner Eigenschaft als Abgeordneter, war er portofrei. Schrieb er nur für eine Kommission der Abgeordnetenversammlung, war die Portofreiheit nicht (immer) gegeben. Alles "cum grano salis", weil nicht exakt mein Gebiet.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch und nordlicht


    Der erste Beispiel hatte wohl nichts mit diesem Brief zu tun?


    Schrieb er nur für eine Kommission der Abgeordnetenversammlung, war die Portofreiheit nicht (immer) gegeben.

    Dann gehst du nur davon aus dass er nicht Portobefreit war, weil der Absender nicht Portobefreit war. Also eine Kreiserklärung der kein Erklärung ist.


    Ob man die Frage von nordlicht beantworten kann, müssen wir wohl anderen Briefe von der Bundescentralcommision untersuchen und vergleichen. Oder die Verordnungen kennen. Ich kann es leider nicht.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    Zitat

    Der erste Beispiel hatte wohl nichts mit diesem Brief zu tun?


    so ist es; ich wollte nur erklären, warum nördlich von Bayern Portofreiheiten nicht immer leicht zu klären sind. Commissionen waren eher kurzfristig eingerichtet worden und auch nicht langlebig. Von wenigen Ausnahmen, die ich mal gesehen habe, waren solche nicht portobegünstigt. Ich weiß auch nicht, ob Taxis überhaupt bei Portofreiheiten als Bundesangelegenheiten federführend war, das waren eher Preußen und Österreich, meine aber, dass die Deputierten selbst portofrei waren (Franchisen unten links mit Namens- und Standesnennung kenne ich), aber politische Behörden keine Portofreiheit generell genossen. Evtl. finden unsere Preußen etwas hierzu.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • ich wollte nur erklären, warum nördlich von Bayern Portofreiheiten nicht immer leicht zu klären sind.

    Hallo bayern klassisch


    Südlich von Bayern gibt es auch Schwierigkeiten die Portofreiheiten zu bestimmen ;)


    Aber eben weil diese Commisionen kurzfristig waren, waren wohl diese als Ausnahmen zu rechnen. Vielleicht gab es überhaupt keine Portofreiheiten weil jedes Land für sich verantwortlich waren um nicht die Gastgebern unnötig zu belasten. Aber es konnte auch sein das einige davon eigene Budget hatten.
    Wenn du Ausnahmen gesehen hast, also Portobefreiten Briefe von Bundescommisionen, war also beide Möglichkeiten da.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo bayern klassisch und Bayern-Nils,


    vielen Dank für den interessanten Dialog :)


    Ich bin wieder ein Stückchen schlauer ...


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Liebe Freunde,


    der folgende Brief stammt zwar aus Preußen (in Westfalen an der Weser gelegen, RB Minden), aber Belege mit einem Durchleitungsstempel des Holsteinischen Postamts in Hamburg findet man nicht so häufig, daher stelle ich ihn hier ein.

    Im Juni 1851 in Petershagen bei der Post als Portobrief aufgegeben, stempelte diese noch mit einem alten L2-Gerät, das seit 1826 in Gebrauch war. Adressiert ist er nach Altona und lief über die nahegelegene Bahnstrecke Minden-Berlin nach Hamburg. Dort war im Rahmen der Erhebung 1848 das Schleswig-Holsteinische Ober-Postamt zuständig, mittlerweile aber wieder als Holsteinische Abteilung im dänischen Ober-Postamt.

    Dieses stempelte den Brief ordentlich mit dem K2 HOLST:P. HAMBURG, während zuvor das preußische Postamt in Hamburg rückseitig seinen Stempel undeutlich aufgesetzt hatte.

    Der Brief lief in der kurzen Zeit der Zugehörigkeit Holsteins zum Postverein. Anscheinend war der Petershagener Postler noch nicht so ganz vertraut mit den Regularien, er taxierte zunächst 3 (Sgr.), die nachträglich mit den korrekten 4 Sgr. Vereinstaxe (incl. Portozuschlag) überschrieben wurden. Dieser Betrag wurde dann von den Holsteiner Beamten in 6 S. reduziert.



    Aus dem Inhalt geht hervor, dass der Brief aus Gernheim stammt, in direkter Nachbarschaft von Petershagen gelegen. Absender war die dortige Glashütte, ein damals recht bedeutender Glasproduzent. Heute ist dort ein Industriemuseum und man kann noch die damaligen Gebäude besichtigen.


    Wikipedia-Link zur Glashütte


    Gruß

    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo Michael,

    sehr schöner und interessanter Brief, Gratulation!

    Den Stempel des Holsteinischen Postamtes sieht man wirklich nicht häufig und auch seltener als den SHOPA-Stempel. Meist hat der Stempel auch "Ausfälle" im vorderen Text ("HOLST.P."), die aber bei diesem klaren Abschlag noch nicht auftraten.


    Die scheinbare "3" könnte auch nur der Federzug sein, der die "4" gestrichen hat?


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo Folkart,


    schön, dass Du meinen Eindruck von der Häufigkeit dieser Stempel bestätigst. Oft zu sehen sind sie nicht.

    Die scheinbare 3 könnte auch eine geschwungene Durchstreichung sein, kann ich nicht leugnen (jetzt, wo du es so interpretierst). :)


    Gruß

    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo,


    auch auf Briefen aus Bayern kommt dieser Stempel nicht häufig vor. Dieser Portobrief aus Fürth vom 14.6.1852 stammt aus der Zeit, als Holstein wieder zu Dänemark gehörte. Doch trotzdem blieb der Postvereinsvertrag vorläufig gültig. Dies zeigt auch die Taxierung mit 4 Sgr. bzw. 6 Schilling.

    Rückseitig wurde der sächsische Bahnpoststempel Leipzig-Hof sowie die preußischen Bahnpostempel Magdeburg-Leipzig, Magdeburg-Wittenberge und Berlin-Hamburg abgeschlagen.


    Grüße von liball