Der besondere Brief - Das besondere Poststück

  • Lieber Peter,


    so ist es! Alternativ könnte es auch ein Chargézeichen sein; ich werde es bivalent beschreiben und dem Betrachter die Entscheidung überlassen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Kilian,


    so ist das im Leben - manchmal brauchst du sogar noch einen Brief, der keine 3 Kreuzer blau aufweist! :thumbsup:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    Glückwunsch zu dem schönen Stück!
    Wenn dir mal ein ähnliches aus Preußen über den Weg läuft (das idealerweise NICHT nach Bayern adressiert ist) ...


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    von all den Briefen, die ich kenne, lief keiner nach außerhalb Bayerns. Aber wenn ich mal einen nach Preussen finden sollte, bist du mein 1. Ansprechpartner. ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    der folgende Brief ist nicht datiert - und braucht es auch nicht zu sein! Dennoch kann man auf den Tag genau alles bestimmen - warum?


    Für die Markenfans unter uns: Schaut euch mal die Marke genau an - die Nr. 16 wurde in waagrechten Streifen aus dem Bogen geschnitten und bei Bedarf, ohne Zuhilfenahme einer Schere, einfach 2 Mal senkrecht gerissen. Hier lief das nicht perfekt ab, aber doch recht manierlich.


    Um zum 1. Punkt zurück zu kommen - ich kenne bisher genau 3 Briefe mit diesem, der das zeigt, weswegen ich ihn gekauft habe. Mal sehen, wer das Rätsel als erster knackt.


    P.S. Ein Blick in die Tariflisten ist nicht nur manchmal sehr hilfreich ...

  • Lieber Ralph,


    ich weiss nicht genau, ob du das meinst:


    Der Brief lief zuerst als Frankobrief am 21.12.1867 mit 6 Kreuzer frankiert - Tarif vom 1.8.1865 - 31.12.1867.


    Zurück geschickt wurde dann als Portobrief am 15.1.1868 mit 11 Kreuzer Porto - Tarif vom 1.1.1868 - 31.12.1871


    Viele Grüße
    bayern-kreuzer

  • Lieber Wolfgang,


    genau das ist es! Als Hinbrief über 1 bis 15 Loth kostete er 6 Kreuzer Franko, als Portobrief retour 3 Wochen später galten schon die neuen Taxen, so dass er jetzt nicht 12 Kreuzer, sondern nur noch 11 Kreuzer kostete, bei gleichem Gewicht natürlich.


    Auch wenn er nichts mit dem Postverein zu tun hatte, lief er als Brief in der Zeit des Postvereins hin und als Brief in der Zeit der Vertragsstaaten zurück.


    Jetzt suche ich noch einen frankierten dienstlichen Hin- und Herbrief von Anfang März 1869, bei dem die Marke hin mit Mühlradstempel-, aber zurück mit Ortsstempel entwertet wurde. Das kann aber dauern ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Andreas,


    Hallo Ralph,
    Betr. #159, wenn der Brief Charge' ist, reichen dann 3 Kreuzer?
    LG Andreas


    an Franko ja - 6 Kr. Reco wurden bar bezahlt und verblieben der Aufgabepost, nicht der bayer. Postverwaltung.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • an Franko ja - 6 Kr. Reco wurden bar bezahlt und verblieben der Aufgabepost, nicht der bayer. Postverwaltung.


    Hallo Ralph,
    das heisst, dass mit dem Anbringen des Charge' Stempels die Bezahlung der Reco Gebuehr bestaetigt wird? Was bedeutet die 15 oder 45 in der oberen linken Ecke ? (Sorry fuers Ausfragen, aber ist sehr interessant fuer mich :) )


    LG Andreas

  • Hallo Andreas,


    Hallo Ralph,
    das heisst, dass mit dem Anbringen des Charge' Stempels die Bezahlung der Reco Gebuehr bestaetigt wird? Was bedeutet die 15 oder 45 in der oberen linken Ecke ? (Sorry fuers Ausfragen, aber ist sehr interessant fuer mich :) )


    LG Andreas


    Hallo Andreas,


    schön, dass du fragst. Du kennst ja das alte chinesische Sprichwort diesbezüglich. ;)


    Die Quittung über die bezahlten 6 Kreuzer stellte immer nur der Postschein dar. Dieser war von den bayer. Postexpeditoren im Block zu kaufen von der bayer. Postverwaltung, weswegen es ein sogenatter "zahlbarer Vordruck" war. Die Expeditoren haben dann, wenn der Kunde es wollte, Poststücke eingeschrieben und dafür diese Postscheine ausgefertigt, wofür sie 6 Kreuzer erhielten. Die Nummer auf dem Postschein hatte auf den Brief übertragen zu werden - hier war es die Nr. 75, die von der Aufgabepost oben rechts notiert wurde.


    Das Anbringen des Chargéstempels hatte mehrfache Gründe:


    1. Jeder sollte/musste/konnte sehen, dass es ein besonderer Brief war, der mit 24 1/2 Gulden versichert war.
    2. Jeder sollte die Reco-Nummer bei der Dekartierung als erhalten bestätigen und gfs. eine neue Reco-Nummer ziehen (beim Transit z. B.).
    3. Jeder sollte auf den Brief gut aufpassen, denn mit seinem belegbaren Verlust ging auch immer und ausnahmslos eine Disziplinarstrafe, gfs. Schlimmeres einher. Daher hat man früher das Rötelkreuz angebracht, womit sich dergleichen Briefe schon aus der Entfernung als etwas Besonderes hervorhoben, auf das sehr gut aufzupassen war.
    4. Im Falle einer Reclamation wäre ein Laufzettel abzuspedieren gewesen. Ohne Reco-Nummer wäre das ein aussichtloses Unterfangen geblieben.
    5. Mit der erkennbaren Recommandation ging oft eine weitergehende Behandlung der Briefe einher. Bei poste restante - Briefen waren nur diese 6 Monate bei der Post vorrätig zu halten, während gewöhnliche Poststücke 3 Monate lang gelagert wurden. Im Falle der Ausgabe war bei recommandirten Briefen die Unterschrift des gedachten Empfängers und die eines Honoratioren aus dem Ort selbst, der der Post bekannt sein musste, notwendig.
    Bei Abgabe von Poststücken an konzessionirte Boten musste geprüft werden, ob auch Reco-Briefe diesen Boten übergeben werden durften; hierfür bedurfte es einer speziellen Vollmacht.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    der folgende Brief war von vorn abgebildet - ein Siegel konnte man gerade so erkennen, aber nicht, welches und ein Teil der Rückseite war gar nicht zu sehen.


    Sieht man ihn sich so an, schien es ein Privatbrief gewesen zu sein, der mit folgender Anschrift aufgegeben wurde:


    Seiner Hochwohlgeboren Herrn
    Herrn Erasmus Freiherrn von
    Malsen
    k: bayer: Kämmerer, Maltheser Ordens-
    Ritter, in
    Marzoll Marzoll
    bey Reichenhall


    fr(ey)


    Die Postaufgabe erfolgte in Berchtesgaden am 2.8.1847 (Teilinhalt).


    Jetzt, da ich ihn vor mir liegen habe, stellt sich heraus, dass die restliche Siegelseite blank ist - dafür ist die Inschrift des Siegels wunderbar schön erhalten und sagt uns folgendes:


    Hofmarschall - Amt S(eyner) Maj(estät) D(es) Königs Ludwig V(on) Bayern


    Oha, dachte ich mir - vlt. geruhte die Majestät im schönen Reichenhall zur Sommerfrische zu kuren? Leider blieben meine Ergoogleungsversuche unergiebig, denn ich hätte zu gerne gewußt, ob der König damals dort weilte, oder ob es möglich war, dass das Hofmarschallamt auch ohne ihn korrespondierte.


    In jedem Fall ein leckeres Stückchen Post- und bayer. Königsgeschichte, die ich so nicht erwartet hätte - und bezahlt hat hier natürlich niemand etwas, weil hier der Franco - Vermerk nur demonstrieren sollte, dass der Brief frei war, ohne dass einer hätte etwas bezahlen müssen.

  • Liebe Freunde,


    ein Brief, der in mehrere Sammlungen passt, ist immer eine Überlegung (zum Kauf) wert. Diese gekauft zu haben bereue ich keine Sekunde ...


    In Tegernsee am 23.8.1874 als H.D.S. = Herrschaftliche Dienst Sache portofrei aufgegeben, fällt er in meine Mini - Sammlung der persönlichen Postportofreiheiten. Schön!


    Adresse: An das Hochwürdige k(öniglich) b(bayerische) prot(estantische) Pfarramt (in) Birk. Über München (23.8.) lief unser Brief nach Birk bei Seybottenreuth, wo er am Folgetag ankam. Der Brief wurde vom Landbriefträger (Landbriefträger - Mini - Sammlung) an den Pfarrer von Birk bei Seybottenreuth ausgehändigt, der ihn öffnete und las.


    Siegelseitig sehen wir, dass er nicht gemeint war, denn man notierte: Wurde vom Pfarrer in Birk bei Seybottenreuth geöffnet, gehört aber nach Birk bei Weißenstadt; daher amtlich versiegelt: Kgl. Postexpedition Seybottenreuth, Unterschrift.


    Die beiden dunkelroten Dienstsiegel der Postexpedition verschlossen den Brief wieder und man sandte ihn nach Birk bei Weißenstadt, wo er via 25.8. (Markt Schorgast) kurze Zeit später ankam.


    Die Adresse musste natürlich auch geändert werden und man ergänzte "Weißenstadt" und unterstrich es blau (fast hätte man es durchgestrichen). Der Pfarrer dort dürfte sich gewundert haben, solch einen Brief ausgehändigt zu bekommen und immerhin war jetzt der 2. Landbriefträger involviert worden (immer noch die Landbriefträger - Mini - Sammlung).


    Wegen seiner Weiterleitung passt er auch in die Hin- her und zurück - Mini - Sammlung, so dass ich bald zwei Kopien vorn/hinten anfertigen darf, damit er überall, wo er Sinn macht, vertreten ist.

  • Hallo bk,

    .

    das ist vollkommen zweifelsfrei eine waschechte Wuchtwumme ! :P Wo hat man sowas sonst schon gesehen ? Aber wie muss man sich da den Ablauf vorstellen ? Die Post hat ja bis an die Tür des Pfarrers in Birk bei Seybothenreuth lt. Erst-Adressierung alles richtig gemacht. Hat der Pfarrer den Brief dann etwa noch vor Augen des Landbriefträgers eröffnet und ihm gleich wieder zur Weiterleitung nach Birk bei Weißenstadt mitgegeben ?

    .

    Oder hat er die Fehladressierung aus Tegernsee erst später festgestellt und den Brief erst am Folgetag beim nächsten Botengang zur für ihn kostenfreien Weiterleitung an die Postexpedition im 3,5 km weiter entfernte Seybothenreuth abgegeben ? Von der Beförderungszeit könnte sogar Variante 1 in Betracht kommen. Aber egal wie, ein absolut sagenhaftes Teil, zu dem man wirklich gratulieren darf !!! 8o

    .

    + Gruß!

    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    vielen Dank!


    Ich denke auch, dass er den Brief sofort geöffnet hat (vlt. hat der Landpostbote noch ein Glaserl Roten bekommen ...) und dann sofort festgestellt hat, dass kein Schäfchen seiner Gemeinde gemeint sein konnte und den Brief wohl sofort wieder zurück gegeben.


    Am Ende seiner Tour hat der Landpostbote ihn dann seinem "Chef" gegeben, der den Text verfasst hat und ihn dann umgehend neu adressiert abgeschickt hat, wie das Datum nahe legt.


    Ja, 2 mal Landbriefträger findet man so gut wie nie und amtlich neu verschlossene sind auch schon äußerst selten, so dass die Kombi darauf (noch dazu als HDS) wohl schwer zu toppen sein dürfte.


    Der Brief kostete eine bessere Kinokarte mit Popkorn und großer Limo nebst etwas Trinkgeld für die gute Bedienung - schon lange keine so guten Film mehr gesehen ... :D

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Die Adresse musste natürlich auch geändert werden und man ergänzte "Weißenstadt" und unterstrich es blau (fast hätte man es durchgestrichen). Der Pfarrer dort dürfte sich gewundert haben, solch einen Brief ausgehändigt zu bekommen und immerhin war jetzt der 2. Landbriefträger involviert worden (immer noch die Landbriefträger - Mini - Sammlung).


    Wegen seiner Weiterleitung passt er auch in die Hin- her und zurück - Mini - Sammlung, so dass ich bald zwei Kopien vorn/hinten anfertigen darf, damit er überall, wo er Sinn macht, vertreten ist.


    Lieber bayern klassisch,
    nach dem Postlexikon gab es 2 x Birk: Birk - Postbestellbezirk: Weißenstadt / Birk - Seybottenreuth (wie rückseitig Stempel).


    Leider gibt es bei google books keine so schönen Schemata der protestantischen Kirche, wie bei den Katholischen (zumindest fand ich nur 1 Buch von 1866). Darin ist die Pfarrstelle in Birk Dekanat Creußen mit Pfarrer Heinz aufgeführt. Ein zweites Birk ist darin nicht genannt.
    Unter WIKI findet sich der Hinweis, dass Birk ein Dorf bei Weißenstadt war. Wenn man annimmt, dass so ein Dorf keinen eigenen Pfarrer hatte so wird der Pfarrer von Weißenstadt das Birk mitbetreut haben (bei den Katholischen sind solche Pfarrstellen immer schön aufgelistet, hier im Buch der protestanischen Kirche von 1866 leider nicht.
    Jedenfalls - wenn der Brief noch vor 1875 liegt - hat ihn Pfarrer Johann Wilhem Heinz zu Birk (geb. 1825) in Händen gehalten und die Weiterleitung veranlaßt. Da es ein Dienstbrief war, wird er ihn wie schon vermutet gleich geöffnet haben (bei dem (Amts-?) Siegel! ).
    Wir immer Glückwunsch :D
    Viele Grüße von Luitpold

    "Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde." (Karl Jaspers. dt. Philosoph).

  • Lieber Luitpold,


    vielen Dank für deine Hintergrundinformationen - klasse, das wird unser Seybottenreuther Pfarrer gewesen sein!


    Aber wenn man der Pfarre in Weißenstadt etwas mitzuteilen gehabt hätte, hätte man doch wohl kaum "Birk" notiert, das eh keiner kannte, sondern wohl eher Weißenstadt, es sei denn, der Pfarrer von Weißenstadt hätte in Birk gewohnt (was aber unwahrscheinlich ist, weil man die Post eher in die Kirche gebracht hätte, als nach Hause, wohin er ja erst Abends gekommen wäre.


    Mit der HDS ist es so eine Sache - es hieß zwar auch "Dienst Sache", aber ich kenne von den wenigen HDS mit Inhalt kaum welche, die dienstlich waren, sondern eher, die privaten Inhalt zeigten. Aber bei gefühlt 20 HDS in 40 Jahren ist diese Aussage auf tönernen Füßen stehend.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,
    .
    nicht im Oberlehrermodus daherkommend gemeint, aber da jetzt schon mehrfach Seybottenreuth verfasst wurde: Es heißt Seybothenreuth..siehe auch Stempel.

    .
    https://de.wikipedia.org/wiki/Seybothenreuth
    .
    Viele Grüße !


    vom Pälzer...der so ein Hammerteil auch mal für den Preis einer Pfälzer Platte (Brotworschd, Saumaage unn Lewwerkneed`l) abshoppen wollt` ^^