Dienstbriefe mit Besonderheiten

  • Liebe Freunde,


    ich möchte mich sehr herzlich bei dem lieben peterhz bedanken, der mir diesen hübschen Brief aus dem Jahr 1848 zukommen ließ. :)


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    Ab ging die Dienstpost am ?? 1848 in Auerbach bei Deggendorf nach Pegnitz. Einen Aufgabestempel erhielt er nicht, warum auch immer. In Pegnitz kam der portofreie Dienstbrief an, wurde bearbeitet und schön umadressiert. Die erneute Postaufgabe wurde durch den Fingerhutstempel von Pegnitz am 5.2.1848 dokumentiert und der Ankunftsstempel am 7.2. abgeschlagen.


    Sicher sehen wir hier noch mehr "langweilige Dienstbriefe", bei denen nicht alles glatt gelaufen ist. :thumbsup:


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Verehrte Freunde,


    solchen Vorlagen folgt man doch gerne.



    „Eine richtige Versendung erfordert eine deutliche Aufschrift. Bey minder bekannten Orten, und bei solchen, deren es mehrere gleichen Namens giebt, ist es daher erforderlich, dass die Provinz, der Kreis oder die Gegend, worin solche gelegen sind, auf der Addresse vorgemerkt werde, nach Umständen kann die Beysetzung eines Flusses, oder der nächstgelegenen Postbehörde, durch welche der Brief bestellt wird, die Deutlichkeit vermehren.“


    Das war ein frommer Wunsch, und gerade Behörden kamen diesen Anforderungen nicht immer im nötigen Ausmaß nach.


    Verwunderlich war dies nicht. In den beiden ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts waren die für den Briefauslauf Zuständigen vieler bayerischer Ämter nicht um ihre Aufgabe zu beneiden. Der bayerische Staat war nicht nur erklecklich gewachsen, an den Rändern kamen immer noch Gebiete hinzu oder wurden wieder abgetrennt. Nachschlagewerke gab es (z. B. http://www.digital-collections…Daisenberger%2C+Johann+M.), aber die entpuppten sich doch in vielen Fällen als unvollständig.


    Nehmen wir zum Beispiel den Markt Aschbach, im Herzen des Steigerwalds im heutigen Oberfranken gelegen. Dieser Ort war, wie wir gleich sehen werden, ein schwieriger Fall. Im Daisenbergerschen Werk fand er sich nicht.


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    Im Dezember 1811 schrieb man in Bayreuth an das Pfarramt in Aschbach, ohne präzisierende Angaben zu machen. Jemand (der Expeditor?) ergänzte, dass Aschbach im Landgericht Stadtsteinach läge, irrte aber. Der Brief trat den Weg zurück nach Bayreuth an, wo man ihn dann richtig ins Landgericht Burgebrach adressierte. Bayreuth lag übrigens, wie Aschbach auch, im Mainkreis. Das hätte man vielleicht wissen können.




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    1812 war man in Bayreuth noch nicht viel klüger. Ein wenig respektvoller Expeditor notierte unter dem Ortsnamen "Wo liegt's?" und gab den Brief offenbar zur Nachadressierung zurück. Auch hier wurde der Verweis auf Burgebrach nachgetragen.


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    In Ansbach im Rezatkreis verkürzte man den Ortsnamen zu „Asbach“ - ohne zu sagen, wo es denn zu finden sei. Eine weitere Hand fügte hinzu "per Nbg". Vermutlich führten alle Wege nach Nürnberg, aber diese Lösung wurde offenbar verworfen, kaum dass sie niedergeschrieben war. Auch hier wurde, wieder von anderer Hand, der Verweis auf den Leitort Burgwindheim nachgetragen.


    Wenn ich solche Belege finde, nehme ich sie gerne mit. Vielleicht wird ja doch mal ein Einrahmenexponat daraus.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

    2 Mal editiert, zuletzt von Erdinger ()

  • Lieber Erdinger,


    das sind 3 kleine Schmuckstücke, die du da zeigen kannst. Vielen Dank dafür!


    Interessant auch, dass man beim 3. Brief "Asbach" schrieb, statt Aschbach. Trotzdem erfolgte die Zustellung ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Freunde


    Dieser Brief kann ich nicht völlig deuten. Ich bin nicht einmal sicher ob es einen bayerischer Brief ist, sogar habe ich grosse Zweifel.


    Der Salzburg Stempel liefert eine nicht eindeutige Antwort. Es ist entweder 1815 oder 1816, also entweder bayerisch oder österreichisch Salzburg weil das Datum 27. Juli ist.


    Ein nicht taxierten Dienstbrief (DS) deutet an ein bayerische Brief weil die DS nicht Portofrei über die Grenze laufen würde. Ein Rötelkreuz anderseits deutet wohl an einen österreichische Verfahren.


    Auch die Anschrift oder Absenderzeile macht mich nicht viel kluger. Vielleicht hat jemand hier mehr Wissen als ich herausbringen konnte (bis jetzt).


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    der Brief stammt aus dem Jahr 1815 und ist somit bayerischen Ursprungs.


    D.S. für Dienst - Sache war bei rein dienstlichen Briefen in Bayern vorgeschrieben. In Österreich hätte man "Ex offo" für Ex officio geschrieben.


    Das liegende X war damals auch im südlichen Bayern oder in den Gegenden nahe der österreichischen Grenze üblich für Briefe, die nichts mehr kosteten.


    Im Titel ist von einer Sedisvakanz in Freysing die Rede - du kannst mal googlen, wann es Sedisvakanzen gab (also Zeiten ohne Bischof).


    Ein schöner Brief übrigens - wie nicht anders bei dir zu erwarten ... :P


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Freising war ohne Bischof schon in Anfang 19. Jahrhundert dank der Napoleon.


    An der ExOffo/DS Vermerk habe ich auch in Auge gehabt. Aber war hier etwas unsicher. KDS war wohl die normale Vermerk in Bayern, nicht nur DS. Und es war eine unsichere Zeit. Ich denke aber, wie du schreibst, dass dieser Vermerk eher an Bayern deutet als an Österreich.


    Danke für die Antwort. :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    mit der Sedisvakanz hast du Recht - ich habe es leider erst später ergoogled, sorry dafür. ;(


    Zuerst kar Causa Domini (Caa Doi), dann K.D.S. (Königliche Dienst - Sache), dann D.S. (Dienst - Sache) und am Ende R.S. für Regierungssache. Die genaue Abgrenzung ist schwierig, zumal es noch in den 1870er Jahren K.D.S. gab, aber das war nur etwas, was das Königshaus direkt betraf und nicht nur bei Dienstbriefen notiert wurde.


    Dr. Wolf Becker hat mir mal eine Auflistung gegeben, in der die Perioden aufgeführt sind, aber die müsste ich erst suchen ... :sleeping:


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Die Übergang von CD zu KDS kam in 1808. Von KDS zu RS kam in 1829. Und es sieht mit nur wenige Ausnahmen (in meine Sammlung) aus, dass es so strikt gefolgt ist. Ein DienstSache habe ich sonst nur eine, aus 1813. DienstSache sieht eher aus als eine Ausnahme bei mir.


    Bin gespannt ob anderen etwas dazu zu sagen haben. :)


    Viele Grüsse
    Nils

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  • Hallo Nils,


    das simple D.S. ist auch die mit Abstand seltenste Franchise - ich werde morgen mal sehen, was ich zeigen kann. Viel wird es nicht sein ...


    Danke für die Aufklärung! :)


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    dieser hier ging mir ins Netz und ich muss sagen, dass es nicht viele vergleichbare Briefe geben wird.


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    Das Kreis- und Stadtgericht Regensburg sandte am 17.11.1832 einen Dienstbrief portofrei an das württembergische Stadtschultheißenamt in Weikersheim. Das an sich wäre nichts besonderes, aber der Brief zeigt siegelseitig den Einzeiler von Windsheim nahe bei der württembergischen Grenze. Damit wissen wir den Paketschluß Regensburg - Windsheim - Rothenburg ob der Tauber - Weikersheim.


    Vor dem 31.1.1841 kommen Bayernbriefe mit siegelseitigen Stempeln so gut wie nicht vor - als Kartierungsstempel kenne ich nur diesen.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch,


    da kann man nur recht herzlich gratulieren
    zu diesen außergewöhnlichen Stück. Habe
    so etwas bisher noch nicht gesehen.


    Liebe Grüße von VorphilaBayern

  • Hallo Freunde


    Weil es ein Thread für kleine Besonderheiten ist, will ich dieser Brief hier zeigen. Und die kleine Besonderheit ist die Franchise "RS" Regierungssache. Nach 1829 sieht man kaum was anderes, aber dieser Brief ist aus 1825, wenn RS eher selten sein muss. Nichts grosses aber... :)


    Der Brief lief von Landgericht Roggenburg nach Günzburg wo der Brief zum Post gebracht war. Dann lief der Brief weiter nach Österreich wo der Brief nicht Portofrei war. Deswegen musste der Empfänger für dieser Brief in der 2. Gewichtsstufe 16 Kreuzer CM bezahlen.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    schöner Brief, aber ich muss dich leider enttäuschen - da steht D.S. für Dienst - Sache. Das war die übliche Franchise vor der Zeit, als R.S. Vorschrift wurde.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Dann ist der Brief in falschen Thread gelandet :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Lieber Jörgen,


    du hast mit allem Recht, was du schreibst. Die Stundenangabe war in römischen bzw. arabischen Ziffern zu stecken, je nachdem, ob es Vormittag (lateinisch), oder Nachmittag (arabisch) war, weil das die Chronologie der Zahlen war. Um 03.00 Uhr hat aber sicher kein Bote des Ministeriums der Münchner Post einen Dienstbrief vorbei gebracht, so dass man diese pauschalen Angaben sicher etwas anzweifeln kann.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    ich zeige hier einen Dienstbrief des Postamtes Röthenbach vom 7.1.1842 nach Simmerberg, das ebenfalls zum Zustellbereich des Postamtes Röthenbach gehörte. Innen ist der rote Halbkreiser vom 7.1., außen der rote Halbkreiser vom (vermutlich 8.1.) abgeschlagen.


    Leider bin ich kein Spezialist im Lesen dieser Schriften. Es geht jedoch wohl um ein Postkonto der Fa. Dornach. Was ist ein Postkonto? Wurden dort angefallene Portobeträge gebucht?


    Vielleicht kann ein Forumsmitglied weiterhelfen.


    Grüsse von liball

  • Hallo liball,


    mit deiner Vermutung hast du vollkommen Recht - hier haben wir den Fall von sog. Postrückständen bei Contoführung vor uns, wie sie nicht häufig erhalten blieben, aber damals recht häufig anzutreffen waren. Eine Person im Bereich eine PE konnte, guten Leumund und passable Solvenz voraus gesetzt, anschreiben lassen. Hierfür war aber ein Postfach notwendig, in das die Poststücke gelegt wurden, welches 5 Gulden im Jahr kostete und die Anschreibung kostete weitere 5 Gulden im Jahr. Das hatte viele Vorteile:


    Man konnte abholen, wann man wollte und da war und musste sich nicht der u. U. teuren Boten bedienen bzw. Angst haben, dass man Retourbriefe generierte. Man konnte auch Sendungen versenden, ohne sofort das Franko entrichten zu müssen. Prinzipiell konnte man auch Marken kaufen und auf sein Conto buchen lassen.


    Hier die Transkripition:


    "Post Conto 1. Quartal 1841/42 für Herrn Ignatz Dornach in Simmerberg


    1841 bei Abschluß der Bücher nehme ich mir die Freiheit Ihnen den Post Conto für die letzten 2 Monate des Jahres 1841 zu übermachen, welches betraegt


    pro November 2 / 53
    pro Detzember 2 / 14
    ............................
    Summa totalis 5 Gulden 7 Kreuzer.


    Obigen Betrag acceptirt.


    Indem ich Ihnen alles erdenklich Gute zum neuen Jahre wünsche ?? ich die Bitte um ?? Freundschaft & Gewogenheit zeichne achtungsvollst ergebenster Bechtel (?)".


    Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus