Candel - Langencandel - Kandel - Langenkandel

  • Liebe Freunde,


    es gibt kaum einen Ort in der Pfalz, dessen legitime Schreibweisen so vielschichtig sind, wie die des heutigen Kandel in der Südpfalz.


    Auf Grund eines Straßendorfes, als eines kleinen Ortes mit langgezogener Struktur, wurde aus dem beschaulichen Kandel / Candel zur besseren Unterscheidung Langencandel bzw. Langenkandel.


    Hett zu sehen ist eine Postkafte mit Halbkreisstempel LANGENCANDEL vom 13.10.1874 nach Ludwigshafen (Ankunft am selben Tag), bei dem der Absender seinen Wohnsitz mit "Kandel" angab.


    Ich habe schon ca. 100 Postsendungen des 19. Jahrhunderts von und nach Kandel gesehen - interessanterweise nicht eine, die wegen der Namensproblematik falsch dirigiert worden wäre, oder bei der die involvierten Poststellen Probleme mit der Zuordnung bekommen hätten. Auch eine Leistung ...


    In diesem Zusammenhang nicht völlig uninteressant ist die Tatsache, dass alle Postkarten bei der Abgabe oben links Ankunft zu stempeln waren. Diese Vorschrift wurde auch durch die grafische Gestaltung des Avers klar, steht doch oben links "Post-Abgabe-Stempel". Da frontseitig kein Text notiert werden durfte, dann wurde es ein Brief mit höherem Porto, musste man als Absender allein die Rückseite (Revers) für seine Nachrichten nutzen. In Folge dessen sollte der Ankunftsstempel natürlich nicht mit seiner Anwesenheit die Nachricht überdecken und evtl. gar unleserlich machen und war vorn abzuschlagen. Aber nicht immer machte man, was man sollte und in Ludwigshafen hatte man als Eingangspoststempler nicht in Briefe und Karten unterschieden, sondern drehte einfach alle Poststücke um und legte mit seinem Eingangsstempel los. Dass man dann noch in den Text hinein gestempelt hat, zeugt von doppelter Ignoranz der Postvorschriften, aber dazu später einmal mehr in einem zukünftigen Rundbriefartikel der ARGE Bayern klassisch ...

  • Liebe Sammlerfreunde,


    folgenden Brief hatte ich mal vor einiger Zeit in einen anderen Thread eingestellt:
    Charge - Teilfrankobrief von Kandel (Bayern - Pfalz) vom 8. Oktober 1838, nach Wien (Österreich).
    Der Absender bezahlte bei der Briefaufgabe 36 Kr.rh. bis zur bayerisch österreichischen Grenze,
    zuzüglich Einschreibgebühr von 4 Kr. Der Empfänger 14 Kr.C.M. Porto zuzüglich 3 Kr.C.M. Bestellgeld,
    also 17 Kreuzer C.M.
    Stempel: LANGENKANDEL + CHARGE in rot.



    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    sehr schön - und ja, dort gab es einen schwierigen Stempler, wohl auch deshalb, weil das Briefaufkommen eher gering war und man dort der Pflege des Stempelkissens wenig Aufmerksamkeit schenkte. Danke fürs Zeigen des kleinen Schmuckstücks! :P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus