Zwangs-Mischfrankatur für Drucksachen im Zeitraum 1.7.-27.7.1954

  • hallo zusammen,


    neben der Firmenpost wurden im privaten Bereich gedruckte Einladungen oder Glückwunschkarten als Drucksache versandt. Gelegentlich in edlem gefütterten Umschlag mit durchaus attraktiver Optik :)



    Am Letzttag der Zwangsmischfrankaturen versandte Drucksache, in Karlsruhe-Durlach am 27.7.1954 aufgegeben und mit der PH-Heuss-MiF 125-177 frankiert.


    mit bestem Gruß
    Michael

  • hallo zusammen,


    sind die Zwangsmischfrankaturen schon nicht häufig zu finden, so sind die weitaus selteneren alternativen Frankaturen reine Glückstreffer.


    Im Haushalt der Absenderin waren die 4Pf. Marken, die man für Ortskarten und bis 30.6. auch Drucksachen verwenden konnte, vorrätig; offensichtlich aber nicht die 2Pf und 5Pf. Marken. Und so entstand eine Bedarfs-Überfrankatur.



    Fernpostkarte nach Lindenberg als Drucksache am 27.7.1954 in Augsburg aufgegeben und mit einem Paar der 4Pf. Posthorn-Marke frankiert.


    besten Gruß
    Michael

  • hallo zusammen,


    Anfang Juli hatte die Hamburger Tennis Gilde noch Restbestände der 4Pf. Marken. Um diese aufzubrauchen mussten weitere 4Pf frankiert werden und so entstanden Bedarfs-Überfrankaturen: hier mit zwei 2Pf. Marken so ergänzt, dass weder die Adresse, noch der Drucksache-Stempel verdeckt wurde.



    Drucksache am 2.7.1954 in Hamburg aufgegeben und nach Itzehoe gesandt. Frankiert mit der 4Pf. Posthorn-Marke und ergänzt mit zwei 2Pf. Heuss Marken. Mit zusammen 8Pf. bedarfsmässig überfrankiert.


    besten Gruß
    Michael

  • hallo zusammen,


    hier ist ein komplettes Formular eines Verrechnungsschecks erhalten geblieben. Man beachte den rückseitigen Hinweis zu Mitteilungen und Drucksachenporto.


    ...


    Verrechnungsscheck nach Unterthingau als Drucksache aufgegeben und mit der Posthorn-Farbfrankatur 2Pf. und 5Pf. portorichtig frankiert. Aufgabestempel als Landpoststempel von Oberthingau wurde die Frankatur im PA Günzach am 2.7.1954 entwertet.


    mit bestem Gruß
    Michael

  • Lieber Michael
    Ein sehr schönes Stück, gefällt mir. Jetzt wo ich mit meinem Enkel Dauerserienfrankaturen sammel, ist dieser Thread ja Pflichtlektüre für mich geworden. Kurze Frage: musste hier keine Berlin Notopfermarke aufgeklebt werden?

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Kurze Frage: musste hier keine Berlin Notopfermarke aufgeklebt werden?


    lieber Erwin,


    seit 1.1.1950 musste auf Drucksachen-Verwendungen keine Notopfer Steuermarke mehr angebracht werden.


    Einen ganz guten Überblick kann man bei Wikipedia erhalten. Zudem bietet die ArGe Notopfer- und Wohnungsbaumarken einen zeitgeschichtlichen Einstieg ins Thema, der auch etwas auf philatelistische Aspekte eingeht. Leider ist auch diese ArGe der Meinung neue Mitglieder zu erhalten, indem man besser keine Basisinformationen online verfügbar macht; bei derlei Trivia ein sinnloses Unterfangen :( , denn fündig wird man mit Rechercheaufwand meistens doch (leider sind verlinkte Seiten zu vielen Seitenbetreibern nicht von Dauer).


    besten Gruß
    Michael

  • Hallo zusammen,


    diesen Beleg halte ich für sehr selten:
    1. Welcher Postkartenscheck aus der Zeit ist noch komplett?
    2. Aufgegeben auf einer Poststelle II ist so etwas noch schwerer zu finden.
    Hier fragt man sich: Wurde der Scheck nicht eingereicht? Zu der Zeit stellte der Betrag eine respektable Summe dar. Ein Freund meines Vaters hat mal erzählt, daß er Mitte der 50er Jahre als Lehrer nur knapp über 250,- Mark verdiente.


    viele Grüße


    Dieter

  • Hier fragt man sich: Wurde der Scheck nicht eingereicht?


    hallo Dieter,


    selten findet man tatsächlich komplette Verrechnungsscheck-Formulare. Ein Berliner hier :)


    Wurde der Scheck eingereicht? Ich meine ja, denn der Absender hat vergessen, seine Kontonummer einzutragen. Netter Versuch 8) Diese wurde rechts oben von der Raiffeisenkasse Oberthingau e.G.m.u.H ergänzt. Aus DSVGO Gründen verraten wir natürlich nicht, dass die Kontonummer 1406 war. Zudem hat Dr. Bittner rückseitig giriert.


    Das waren noch Zeiten, als im Posteingang Verrechnungsschecks waren - und nicht nur Rechnungen :( . Interessant auch, dass der Maximalbetrag 1000 DM betrug; bei einem damaligen durchschnittlichen Stundenlohn von etwa 1 DM knapp ausreichend für den nächsten Tauschtag ;(


    Dank deines Hinweises weiss ich jetzt auch, was eine GmuH ist.


    besten Gruß
    Michael

  • Hallo Michael,


    die Zahlung per Postkarten-Scheck war damals unter Geschäftsleuten weit verbreitet. Mein Großvater hatte eine deutschlandweit bekannte Herrenschuh-Fabrik. Aus der Zeit habe ich einen Schuhkarton voller Abschnitte. Meiner Erinnerung nach funktionierte dieser Zahlungsweg bis um 1960 herum. In der Zeit wurde diese Art der Zahlung vermutlich abgeschafft. Weiß jemand im Forum wann das war?


    beste Grüße


    Dieter

  • hallo Dieter,


    es wird vorerst offen bleiben, wann der V-Scheck als Postkarte ausgedient hatte. Ich erinnere mich aber noch gut an die in Briefen versandten (Order)-Schecks, die gerne verwendet wurden um noch ein paar Tage Zahlungfrist herauszuschlagen; so sie denn eingelöst wurden war ja auch alles gut :)


    Als eine härtere Nuss stellte sich das Finden eines Freistempel-Belegs aus dieser Zeit heraus, waren sie doch in der Regel ein Fall für die Rundablage, oder verschwanden auf nimmer Wiedersehen in den Akten. Unlängst konnte ich einen Beleg aus der Bucht retten.


    ...


    Bestellbestätigung der Firma Pickhardt & Gerlach am 16.7.1954 als Drucksache nach Steinfeld gesandt und mit dem Absenderfreistempel zu 7Pf. freigemacht.


    mit bestem Gruß
    Michael

  • Hallo Michael,


    mit den Order-Schecks (mit dem roten Balken an der Seite) hat es bis heute seine besondere Bewandtnis: Die kann nur der bezeichnete Empfänger bei seiner Bank einreichen. Die Berechtigung dazu muß nachgewiesen werden. Als ich noch oft damit zu tun hatte waren das Unterschrift und Firmenstempel auf der Rückseite. Die wurden immer nur per Brief verschickt.


    beste Grüße


    Dieter