Paketbegleitbriefe

  • Anbei ein Paketbegleitbrief von Leipzig nach Hainichen aus dem Jahre 1858.


    Taxierung: 2 Neugroschen (Ngr.) - ist dies korrekt?
    Wurden die Gebühren in Sachsen nicht i.d.R. in grüner Farbe vermerkt? Blau kenne ich eher von Preußen.


    Was bedeutet die Abkürzung oben links? Geht es hierbei um das Gewicht des Paketes?
    Was steht unten links? "1 Packet: _______"


    Absender: königliches Appellationsgericht zu Leipzig
    Empfänger: Gerichtsamt zu Hainichen


    Stempel: K2-Aufgabestempel LEIPZIG; rückseitig ein Ausgabestempel (4. Ausgabe 3 - handelt es sich hierbei nun um den 3. oder 4. Bestellgang?)


    Rückseite: Nummernzettel "249" - wurden diese Zettel nicht i.d.R. vorne aufgeklebt?


    Inhalt: Gerichtsangelegenheiten in der Sache des Notars der hiesischen Stiftung (Kläger) gegen einen Herrn Friedrich August Schindler (Beklagter)
    Antwort aus Hainichen auf Seite 2 vorhanden.


    Ein Brief mit vielen Fragen, aber nur wenn ich diese stelle, lerne ich dazu. ^^

  • Hallo Don Stefano,


    oben links wurde das Gewicht mit 2 1/8 Pfund notiert.


    2 Ngr. war das treffende Porto - dies konnte man in mehreren Farben notierten, aber prinzipiell war blau die Farbe des Portos und rot die Farbe des Frankos. Aber das muss man sehr differenziert sehen in der europäischen Postgeschichte und man könnte ein Buch über die vielen Spezialitäten, Farben, Notationen und Abkürzungen schreiben.


    1 Paket G. A. H. = Das waren in der Regel die Initialen des Absenders, der diese auf dem Paket und dem dazugehörigen Brief wie hier angab, damit die Postverwaltung sehen konnte, welcher Brief zu welchem Paket gehörte.


    Die Zettel gab es vorn und hinten, je nach Platz und Gusto wurden sie verklebt.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Stefan,


    Zitat

    rückseitig ein Ausgabestempel (4. Ausgabe 3 - handelt es sich hierbei nun um den 3. oder 4. Bestellgang?)


    das war der 4. Bestellgang am 3.VIII. (typische Schreibweise mit arabischen/römischen Ziffern in sächsischen Stempeln).




    Zitat

    Nummernzettel "249" - wurden diese Zettel nicht i.d.R. vorne aufgeklebt?


    ich weiß jetzt (von unterwegs, ohne Unterlagen) nicht, wie es in Sachsen geregelt war. In Preußen gab es Vorgaben, auf welche Seite der Zettel zu kleben war. Diese Vorgabe wurde auch kurz nach Veröffentlichung in Preußen geändert.


    Für Details (falls interessant) muss ich zu Hause nachschauen.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo Stefan,
    bei Einführung der Nummerzettel war eindeutig geregelt, das diese auf der Rückseite der Adressbriefes (Paketbegleitbrief) zu verkleben waren. Dies wurde wohl in der Folge gelockert, so das die Nummernzettel vorn oder hinten zu finden sind.
    Leider liegt mir die erste Verordnung zu den Zetteln nicht vor, eine weitere aus dem Einführungsjahr 1953 bestätigt die Hinterseitige Anbringung.
    Gruß Bernd

  • Paketbegleitbrief der Bezirkssteuereinnahme Borna an den Stadtrat zu Pegau aus dem Jahre 1873.


    Portotaxe i.H.v. 3 3/4 Sgr.


    Den Stempel "Ausgeliefert 9 9" habe ich so noch nie gesehen.


    Auf der Rückseite "Leipzig" - sonderbar, Leipzig liegt nicht auf der Route (18 km Luftlinie) ?


    Transliteration:


    Nachdem die Prüfung der Steuerdocumente erfolgt ist werden dieselben nebst Unterlagen dem geehrten Stadtrath wieder übersendet und noch bemerkt, dass Punkt 9 der ausgesetzten Erinnerungen gegen die Catasternachträge noch zu erledigen ist. Königliche Bezirkssteuereinnahme Borna am 6. September 1873.


    Antwort aus Pegau:


    Die Stadt Pegau liefert zur Erfüllung auf Gewerbe- und Personalsteuer auf das Jahr 1873 ___
    163 Taler 10 Silbergroschen 5 Pfennig (richtige Währungsangabe?) Ab 1868 wurden Ngr. durch Sgr. ersetzt, korrekt?

  • Hallo Don Stefano


    warum Leipzig siegelseitig notiert wurde - tja vielleicht lag es darin begründet, dass es erst nach Leipzig per Zug ging.


    Die Taxierung ist hier folgende:
    Paket 22 Pfund bei bis 5 Meilen = 2 Pfennige * 22 Pfund = 44 Pfennige = 3 2/3 - war auf 3 3/4 Sgr aufzurunden.


    Zum Rest müssen sich andere äußern.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Don Stefano


    warum Leipzig siegelseitig notiert wurde - tja vielleicht lag es darin begründet, dass es erst nach Leipzig per Zug ging.

    Obwohl dies einen enormen Umweg darstellt? Dass das Paket mit dem Zug befördert wurde, verstehe ich. Doch dass der Brief diesen Umweg ging, finde ich sonderbar.
    Es wird doch im Jahre 1873 eine direkte Postverbindung von Borna nach Pegau gegeben haben.


    Oder mussten Pakete und Briefe einer gemeinsamen Sendung stets zusammen befördert werden?

    Beste Grüße,
    Stefan

  • Hallo Don Stefano

    Obwohl dies einen enormen Umweg darstellt? Dass das Paket mit dem Zug befördert wurde, verstehe ich. Doch dass der Brief diesen Umweg ging, finde ich sonderbar.


    Es ist nicht ausergewöhnlich - es galt allgemein, so schnell als möglich


    Es wird doch im Jahre 1873 eine direkte Postverbindung von Borna nach Pegau gegeben haben.


    Dies kann ich nicht beantworten...


    Oder mussten Pakete und Briefe einer gemeinsamen Sendung stets zusammen befördert werden?


    Sollte schon so sein. Wenn der Brief vor dem Paket da sein sollte, hat die "Post" ein Problem - warten bis das Paket eintrifft, vorher den Empfänger zu benachrichtigen, ginge nicht. Im Falle der Absender holt sein Post ab und das Paket ist noch nicht da, siehe oben.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo zusammen,


    Zitat

    Oder mussten Pakete und Briefe einer gemeinsamen Sendung stets zusammen befördert werden?


    Folgendes galt für die preußische Post, ich vermute mal auch für andere Postbehörden:
    Brief und Paket mussten gleiche Kennungen und Siegel aufweisen. ich habe einen Paketbegleitbrief, der in Berlin (als Durchgangsstation) neu gesiegelt wurde, da das Paket durchnässt in Berlin ankam und dort neu verpackt und gesiegelt wurde.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo zusammen,



    da hier bei diesem Thema lange nichts mehr geschrieben wurde möchte ich Euch meinen Neuerwerb von der (leider) letzten Potsdamer Auktion vorstellen.


    Begleitadresse von Roda nach Altenburg


    An die Herzogl. Sächs. Finanzkasse


    für ein 14 Pfund und 13 Loth schweres Wertpaket mit 314 Thalern, 7
    Neugroschen und 6 Pfennig.


    Das Gewicht wurde postseitig auf 14 Pfund und 12 Loth korrigiert –
    blaue Ziffern oben.


    Sowie 1 Paket Akten mit 1 Pfund 25 Loth.


    Rückseitig wurden vorschriftsmäßig die entsprechenden Nummernzettel
    aufgeklebt.

    546. für das Paket mit Acten

    W 681 W für das Wertpaket


    Obwohl am 01.01.1859 neue Aufkleber eingeführt wurden wurde hier für
    das Paket noch ein


    Aufkleber der alten Form aufgebraucht.


    Die Kombination der Nummernzettel Type SA 01
    (Paket) und Type SA W-1a (Wertpaket) ist bis jetzt einmalig!


    Das vom Empfänger zu zahlende Porto aus Werttaxe und Päckereitaxe

    ist mit 6 5/10 Neugroschen ausgewiesen.


    Zur besseren Darstellung ist der Brief auf dem ersten Bild, bzw. der Ausstellungsseite aufgeklappt.
    Kann mir eventuell jemand etwas zu dem Zahlen - Vermerk auf der Rückseite sagen? (4 5/2 ist eigentlich unlogisch?) und für was? Oder nur ein privater Vermerk.

  • Hallo Roda127,


    ein phantastsicher Brief - in jeder Beziehung.


    Ich habe lange geknobelt wegen den siegelseitigen Bruchs und bin zu nichts tauglichem gekommen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    danke.
    Ja auf diesen Brief habe ich lange gewartet, bzw. hatte gar keine Hoffnung gehabt diesen jemals in meine Heimatsammlung zu bekommen!
    Dann auch noch zum Untergebot im Saal!
    Dann habe ich auch noch Glück gehabt und bekam einen weiteren aus gleicher Sammlung. Dieser ist zwar von 1873, hat aber einen sächsischen Wertzettel!
    Beschreibung vom Einlieferer bzw. von mir ergänzt. Ergänzungen und Berichtigungen sind mir jederzeit willkommen.


    Briefstück mit Wertzettel vom 7.09.1873


    Dieser Wertzettel wurde erst im Jahr 2003 entdeckt und ist als Type W
    1c einzuordnen.


    Das Besondere daran ist die Ortsangabe in schwarz.


    Die Frankatur von 38 Sgr. Ergibt sich aus 2 Sgr Minimalporto + 36 Sgr
    Werttaxe.


    Das entspricht einer Wertsumme von 3600 Taler = pro 110 Taler 1 Sgr Werttaxe.


    Das blaue „B“ neben der
    Gewichtsangabe dokumentiert die Beförderung im Postbeutel.


    Die 30 Groschen – Marken des Norddeutschen Bund wurden noch bis
    31.12.1874 aufgebraucht.


    Es erfolgte vorschriftsmäßig darauf die handschriftliche Entwertung.



    Beste Grüße


    Roda127

  • Hallo Roda127


    ich würde die siegelseitige Notierung so interpretieren:
    4 5/10 Ngr. (die 10 steht nicht da) ist das Porto für das Wertpaket und die 2 (Ngr.) für das das Actenpaket.
    Ich komme darauf, weil durch die Schreibweise auch die "2" unter der "4" gesehen werden kann. Ich habe dies mal auf 300 Prozent vergrößert.
    Eine Taxberechnung ist mir hier nicht möglich, da ich keine Ahnung von Sachsen habe.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Roda127


    noch zum zweiten Beleg und die Berechnung der Wertangabe:
    Von der Frankatur von 38 Groschen werden Porto 2 Sgr. für das Paket abgezogen, so verbleiben 36 Sgr.
    Für die ersten 1000 Thaler sind 10 Sgr. zu zahlen und dann je angefangene 100 Thaler 1/2 Sgr.
    Daraus folgt nun dass für die verbleiben 26 Sgr. noch über 5100 bis 5200 Thaler angegeben wurden, also betrug die Wertangebe mehr als 6100 bis maximal 6200 Thaler.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Ulf,


    Danke auch für Deine Berechnung zu dem zweiten Beleg.
    Ich hatte die Berechnung der Beschreibung des Vorbesitzers entnommen.
    Tolles Forum.


    Beste Grüße
    Roda127 (Matthias)

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