Bayern - Schweiz

  • Hallo hasselbert,


    leider kann ich den Zielort in der Schweiz nicht entziffern.
    Da Neu-Ulm im II. bayer. Taxrayon gelegen hat (damit bayer. Taxanteil 6 Kr), und für die Schweiz mindestens 3 kr fällig waren (bzw. 6 für den II. Rayon), hätte der Brief mit mindestens 9 Kr frankiert werden müssen.
    Die Taxierung "3/3" deute ich als das fehlende (nachzuerhebende) Porto: noch 3 Kr für Bayern, sowie 3 Kr für die Schweiz (womit der Zielort im I. schweizer Rayon gelegen haben müsste). Diese insgesamt 6 Kr Nachporto wurden in 20 Rp. umgerechnet und mit Rötel angeschrieben. Allerdings hätte ein unzureichend frankierter Brief wohl noch mit "Strafporto" belegt werden müssen, was aus dieser Rechnung nicht hervorgeht...
    Der 66er Krieg hat das südliche Bayern nie betroffen, sodass selbst bei einer Versendung im Juli 1866 der Postweg Neu-Ulm - Schweiz nicht tangiert worden wäre.

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Lieber Hasselbert,


    mikrokern hat den wichtigen Teil richtig gedeutet: Dein Brief lief nach Engishofen, ca. 10 km südlich von Konstanz, aber dadurch in der Schweiz.


    2. Rayon Bayern in den 1. Rayon der Schweiz kostete, franko wie porto, 9 Kr.. Bei dem PV Bayern - Schweiz vom 1.10.1852 gab es bei unterfrankierten Briefen keinen Portozuschlag, daher war die Nachtaxe 3 Kr. für Bayern und 3 Kr. für die CH korrekt.


    Interessant ist, dass der Absender "Recommandirt" unten vermerkte, den Brief also einschreiben lassen wollte. Was damals genau geschehen ist, wissen wir nicht, aber Recobriefe mussten frankiert sein und das war der Brief eben gerade nicht. Oder der Absender hatte kein Geld für die volle Frankatur und die Einschreibung, was auch möglich gewesen wäre.


    In jedem Fall ein beachtenswerter Brief, der bei Romanshorn von Lindau aus per Dampfboot über den Bodensee gelangte und vorne wie hinten sehr adrett aussieht.


    Den tät ich auch nehmen ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber bayern klassisch,


    vielen Dank für die Korrektur: klar, Porto = Franco in die Schweiz, daher kein "Strafzuschlag". Kleiner blackout...
    Und das "Engishofen" konnte ich wirklich nicht lesen.

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Hallo mikrokern und bk,


    genau wie bk hat auch Dr. Karl aus Kaiserslautern den Brief interpretiert. Übrigens kommt bei diesem tollen Brief noch erschwerend hinzu, dass die Marke rechts unten klebt. Ich habe in den letzten 30 Jahren noch keine 10 Briefe mit der Marke unten rechts gesehen. Wir haben ja beide darüber in den Rundbriefen geschrieben.


    Leider habe den Brief nicht mehr, weil er woanders besser gepasst hat. :(


    Grüße aus Frankfurt
    hasselbert

    Einmal editiert, zuletzt von hasselbert ()

  • Liebe Freunde,


    ich möchte euch meinen heutigen Fang nicht vorenthalten, sondern hier einstellen (darf gerne geändert werden).


    Geschrieben wurde er am 27.8.1867 in Frankreich (welcher Ort stand für die Nr. 1062 in großen Ziffern?). Gerichtet war er an Herrn Rentier Viebig in Interlaken in der Schweiz. Dort traf er auch am 29.8. ein, konnte jedoch nicht zugestellt werden. Jemand kannte aber seinen neuen Aufenthaltsort und vermerkte diesen unten links mit Friedrichshafen.


    Das Franko von Frankreich nach der Schweiz hatte 30 Centimes betragen (20 C. für Frankreich und 10 C. für die Schweiz, wenn ich nicht irre). Der Brief wurde in Interlaken als Zeichen der erneuten Postaufgabe mit dem Ortsstempel links oben bedruckt und mit 6 / 3 taxiert. Hier also 6 Kr. für die Schweiz aus dem 2. Rayon (Postvertrag vom 1.10.1852/15.10.1852) und 3 Kr. für Württemberg (1. Rayon dort). Siegelseitig ist der Postlauf gut dokumentiert.


    Dort kam er am 30.8. auch an. Man zog die beiden Taxen zu 9 Kr. zusammen, die man mittig notierte. Weil man in Interlaken poste restante notiert hatte, galt der Brief bei der Ablieferung an die dortige Post als ausgeliefert.


    Tatsächlich konnte er aber nicht ausgeliefert werden, denn schon am gleichen Tag (30.8.), wie uns der Stempel von Ulm beweist, hatte man ihn an den neuen Zielort München abspediert. Hierfür wurde nun als erneute Briefaufgabe die Gebühr von 9 Kr. im Postverein über 20 Meilen angesetzt.


    Der Ankunftsstempel Münchens vom 31.8. zeigt, dass der Brief ab dann 3 Monate - noch immer als poste restante geführt - in das Lagerbuch eingetragen und bereit gehalten wurde. Mit der VO Nr. 29.881 vom 9.8.1867, veröffentlicht am 13.8.1867 im 63. VO- und Anzeigeblatt, wurde die bisherige Lagergebühr von 4 Kr. je poste restante Brief aufgehoben.


    Porto/Frankoverteilung:


    Frankreich 6 Kr. (20 Centimes),
    Schweiz 3 Kr. (10 Centimes/Rappen),
    Schweiz 6 Kr. (20 Centimes/Rappen),
    Württemberg 3 Kr.,
    Württemberg 9 Kr. und Bayern nichts.


    Es gibt Sammler, die finden solche Briefe scheußlich. Ich liebe sie! :P


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Lieber bayern klassisch,


    ein sehr schöner Brief, danke fürs zeigen!


    Herkunftsort ist Cluses, mittig zwischen Chamonix und Genf gelegen, nicht wiet von der schweizerischen Grenze.


    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,


    hab vielen Dank für die Angabe des Aufgabeortes - schön, dass er dir gefällt.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Auch hier ein herzlichen Glückwunsch zum schönen Brief.
    Ob nicht Hübsch, so sehr interessant. ;) :)


    Danke fürs Zeigen.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo zusammen,


    keine "Granate" nur ein einfaches Kreuzerbriefchen in die Schweiz.


    Frankiert mit 2x 23y +1x 22y von Senden in die Schweiz vom 10.04.72


    schönen Gruss


    Peter

  • Hallo Peter,


    so schlecht sieht der doch gar nicht aus. :)


    Wem 3 Marken auf den Brief zu kleben zu anstrengend war, der konnte sich ab dem 1.10.1868 auch mit der passenden Nominale von 7 Kr. behelfen, wie hier ein Münchner am 18.11.1868 bei einem einfachen Brief bis 1 Loth nach Zürich. Die Auktionsbeschreibung damals wies die rote 1 als 1 Silbergroschen Weiterfranko aus. Donnerwetter!


    Wer weiß es besser?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo,


    das Weiterfranko wurde sicher nicht in Sgr ausgedrückt, allenfalls in rh. Kreuzern (3 in diesem Fall).


    Die Rötel-1 dürfte sich auf das Gewicht (einfacher Brief bis 1 Loth) beziehen.

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Hallo mikrokern,


    so ist es! Bei einfachen Briefen war das Gewicht gar nicht zu notieren, von daher hat man das falsch gemacht in München. Nur bei schweren Briefen war die Gewichtsstufe obne links zu notieren.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    den folgenden Beitrag stelle ich hier und bei Bayern - Baden ein, weil es ein Brief aus Kempten vom 10.2.1858 war, der an die Lauffermühle bei Tiengen in Baden ging, aber ganz ungewöhnlicherweise die Schweiz transitierte.


    Bayern frankierte 6 Kr. für Briefe in den Postverein über 10 bis 20 Meilen und kreditierte der Schweiz 3 Kr. für den offenen Transit. Üblich wäre die Leitung östlich um den Bodensee gewesen und nicht die Leitung über den Bodensee nach Romanshorn und weiter über Zürich und Schaffhausen. Viele wird es nicht gegeben haben ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Sammlerfreunde,


    Ich möchte euch gerne den Brief zeigen, eine 12Kreuzer Frankatur vom 17.10.1857
    von München nach Luzern, Taxe 9Kr Vereinsporto für Bayern+ 3Kr schweizer Inlandstaxe.
    Der Brief ist um 3Kreuzer zu niederig frankiert, da die Schweizer Taxe, nach dem Post-
    vertrag von 1852-01.09.1859 6Kreuzer hätte betragen müssen, da Luzern weiter als 10
    Meilen von der Deutsch-Schweizerischen Grenze entfernt lag.
    Dennoch keine Nachtaxierung....also eine Contravention


    Viel Spass mit dem Stück, welches als 12 Kreuzer Porto ein paar der 4, 6kreuzer braun zeigt.


    Sammlergrüsse aus Siegen :D
    Oliver

  • Lieber Oliver,


    schönes Stück, das man erst einmal finden muss! Wegen solcher Briefe hatte man in Bayern keinen P.D. - Stempel für Schweizbriefe vorgesehen. Man ahnte, dass die eigentlich simple Regeleung mit 5 Rayons viele überfordern würde und bei einem P.D. - Stempelbrief hätte man nichts mehr korrigieren können.


    Liebe Grüsse von bayer klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    hier eine kleine Rätselaufgabe:


    [Blockierte Grafik: http://s3.imgimg.de/uploads/IMG0001d1bee54bjpg.jpg]


    Ein einfacher Frankobrief aus Augsburg nach Langnau in der CH wurde am 5.8.1854 mit 9 Kr. frankiert. Langnau wurde später unterstrichen.


    [Blockierte Grafik: http://s3.imgimg.de/uploads/IMG00042fc54cadjpg.jpg]


    Die Siegelseite weist den Laufweg gut auf: Lindau - Zürich - Langnau.


    1. War der Brief ganz frankiert?


    2. Wenn nicht, was hätte man tun müssen, um ihn vertragskonform behandelt zu haben?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch


    P.S. Ich bedanke mich sehr herzlich bei unserem Sammlerfreund, der mir den Brief verkauft hat und bei denen, die nicht gegen mich geboten haben. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    dann will ich mal lösen:


    Augsburg lag im 2. Rayon zur CH, damit 6 Kr. für Bayern.


    Langnau lag im 2. Rayon zu Bayern, also über 10 Meilen, damit 6 Kr. für die CH.


    Frankiert waren aber nur 9 Kr.. Ein Grenzfranko gab es nicht. Die Vorschrift besagte, dass nicht vollständig frankierte Briefe als unfrankiert erachtet wurden und der Empfänger das Porto ohne Anrechnung des Markenwertes zu zahlen hatte. In diesem Falle wäre die 9 Kr. Marke verfallen und Bayern hätte zusätzlich 6 Kr. von der CH überwiesen bekommen, welche ihrerseits 6 Kr. kassiert hätten, in Summa also 40 Rappen.


    Erst ab 1856 wurde diese wenig kundenfreundliche Vorschrift revidiert und der Wert der verklebten Marke(n) vom Portobetrag abgezogen.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    ein netter Brief fand Eingang in meine Sammlung und die Farbigkeit (grün, rot und gelb) spricht wohl nicht nur mich an, oder?


    [Blockierte Grafik: http://s3.imgimg.de/uploads/IMG000135e3f857jpg.jpg]


    [Blockierte Grafik: http://s3.imgimg.de/uploads/IMG0004a7b3cfe1jpg.jpg]


    Der tiefere Grund des Erwerbs (nochmals Danke Schorsch!) war aber ein anderer ... welcher?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch!


    Ich vermute dass dich die Leitung über Baden (Bahn(?)-Stempel Heidelberg-Basel) zum Erwerb dieses schönen bunten Briefes bewogen haben dürfte. Wenn ich mich recht erinnere war die Leitung über Baden nur für die Pfalz vorgesehen?


    Glückwunsch zu dem schönen Stück!


    viele Grüße,


    Nacktnasenwombat